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Man möge mir diese Überschrift verzeihen, aber das Wortspiel soll ja auch eine Differenz darstellen, kein Gleichnis sein.

Unruhige Müdigkeit plagt mich, Aufgeregtheit, die Vorfreude ist – gleich, also in ein paar Stunden, sitze ich im Flieger nach Israel. D. wird mich zum Flughafen fahren, wir werden uns Stunden die Beine in den Bauch stehen, die Nachtstunde, die uns zu untätigem Wachsein zwingt, verfluchen – und doch, diese Untätigkeit, das Warten am Gate, der Check-In, all das ist dann nur noch eine kleine Verzögerung bis ins Heilige Land.

Heiliges Land? Ist es denn das? Eine Freundin, die derzeit in Israel lebt, bloggt über das un-heilige Land, sendet Grüße in die Welt von einem Ort, der … ja, was eigentlich ist? Bei dem Wortpaar „heilig/unheilig“ wollen mir andere Gedanken von der Zungenkante springen, Buchstaben tummeln sich, geraten durcheinander und werden doch nicht Wort. Was mir vorschwebt, irgendwie dann doch, sind Buchstabengruppen wie: Un-heimlich? Un-artig? Sind das die quengelnd wartenden Lautzeichen, die ich mir von der Zunge stolpern lassen will, oder, in diesem Fall, zeilen möchte? Un-heimlich, un-artig?

Nun, für viele mag Israel ein un-heimliches Land sein. Statistiken ließen sich noch und nöcher zitieren, in denen das Land als der Weltfriedensfeind Numero Uno dargestellt wird. Rechtfertigen musste ich mich, weil ich nicht nach Spanien will, sondern nach Israel. Die (?) Leute tragen ein Unbehagen mit sich, wenn es um Israel geht, und das Un-Heimliche, welches das Land für sie umgibt, hat vielleicht auch mit seiner Heimlichkeit zu tun: Israel, wenn man nicht genau aufpasst, entzieht sich. In all den Alltagsmeldungen, zwischen Arabischen Frühlingswettern und Wirtschaftsphrasen, zwischen USA und anderen Außenpolitiknachrichten, da geht das Land am Toten Meer durchaus unter, wird verschlungen von dem Dschungel aus Weltgeschehen, schwer ist es da, sich einen Weg zu bahnen, eine Ahnung zu erhaschen.

In den kommenden Tage begleite ich eine Jugendgruppe in dieses Land, und nach einer Woche Vorbereitungsseminar mit den israelischen Kids sagte eines der deutschen Mädchen sowas wie: „Hach, wie schön, deine Oma stammt aus Deutschland?! Schön, ihr seid so multikulturell ..“ […] Auch eine Woche Studium , 8 Tage der Begegnung, lassen viele Fragen offen, erhellen vieles nur halb.

Und un-artig? Schwingt hier nicht fast schon „ent-artet“ mit, will ich die Buchstaben so aus mir herauslassen? Nun, un-artig, das meint für mich Israels Lebendigkeit, mein das nächtliche Leben in Tel Aviv, meint queeres Leben, meint auch die Proteste des letzten Sommers, meint Stav Shaffir. Oder vielleicht auch diese Geschichte, „Liebesleben“, die wohl kaum Einzug in die Geschichte innerhalb von Klassenzimmern findet 😉

In ein paar Stunden mache ich mich, nach fast 10 Jahren, erneut auf nach Israel. Ich bin gespannt, wie die Buchstaben in meinem Kopf sich verhalten, welche Geschichten sie in 2 Wochen erzählen möchten – vielleicht die ein oder andere, die ihren Weg ins Klassenzimmer findet – oder vielleicht doch eine eher un-artige 😉

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