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Ach, da ist mir heute was Feines in der U-Bahn passiert. Nein, ich meine nicht die zahllosen staunenden Augenpaare, die mir stolz entgegenliefen – der Stolz jedoch weniger meinetwegen als eher in Richtung des Becherchens, das die an den Augenpaaren hängenden Händchen in die Höhe hielten wie andere ihre erste Banane: Also, äh – reihenweise Pärchen kreuzten heute meinen Weg, oder auch Einzelmenschen, und all diese ein- und zweisamen Menschenskinder trugen offenbar ihren ersten Becher Bubble Tea vor sich her, dem sie bewundernde, gierige, interessiert-lechzende Blicke zuwarfen, noch ein wenig angstvoll ob der spermrigen Masse, die mit genmodifizierten Meerschweinausscheidungen angereichert das absoluteste aller absoluten Kultgetränke geworden ist, und deren Verkaufsstellen nach und nach alle Spätis vertreiben werden (so dass wir bald nie mehr wieder Bier oder Mate werden trinken können, uns Sonntagabend keine Tampons mehr kaufen können, es sei denn, man wohnt am Ostbahnhof, aber wer tut das schon, und schnell noch Pizza kaufen geht dann auch nicht mehr, wenn man Sonntagabend aus’m Koma zurück kommt,  weil alle Spätis verschwunden sein werden, und all die doofen pubertierenden (!) Deppen da draußen erst erkennen werden, dass man Bubble Tea nicht rauchen kann, wenn der letzte Späti abgeholzt, die letzte (Veggie-)Dönerbude gerodet wurde, um Bubble Tea verkaufen zu können. Bubble Tea für’s Volk!) Nun, aber eigentlich hat Bubble Tea ja mit Menschenrechten nichts zu tun, und das Feine, das mir heute passiert ist, waren auch nicht diese Massenansammlungen an Bubble-Tea-Fanatisten ( ich muss mich hüten, sonst kriegen sie mich auch noch!), sondern : Die Begegnung mit thanatophilen Menschenfeinden. Und das war so:

Just wollte ich in die U-Bahn steigen, die hielt auch, als neben mich sich 2 Damen stellten, wohl unabhängig voneinander, wer zuerst kam, ditt weeß ick nicht. Zumindest jedoch hat wohl die eine die andere geschubbst (ohne Absicht, wie ich zu urteilen mich hier wage). Nun, die Geschubbste begann, noch im Eintreten in die Bahn, zu zischen: „SCHUBBSEN SIE MICH NICHT, ICH BIN BERUFSTÄTIG UND HABE FAMILIE, MAN BRAUCHT MICH NOCH.“  Die unschuldig-Beschuldigte guckte verdutzt, entgegnete ein paar Worte, die von der Schimpferin jedoch ignoriert wurden. Sie, die vermeintlich Angegriffene, griff stattdessen zum Telefon und lästerte auf Französisch Dinge wie „pensionnaire“ und „folie“.

Das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit gilt laut ihrer Logik also nur in Abhängigkeit von unter morgendlicher Unlust spontan erstellten Bedingungen? Wer also Montagmorgen unlustig ist, und lieber die Woche im Bett verbracht hätte, darf die anderen Mitfahrenden dann anrauzen, sie sollen mal nicht drängeln, weil der Bedrängelte ja … Katzenmensch sei, und die Katze, bei Tod des Bedrängelten, abends kein Brekkis geöffnet bekäme?

Ditt aber möchte ich noch mal klarstellen, dass die Menschenrechte universell gelten, jawoll, und dass die sich niemand erarbeiten kann, indem sie oder er einfach mal Kinder bekommt oder sich eine Katze hält oder Lohn bekommt. Und auch, dass die Menschenrechte gelten, selbst wenn sich jemand mal dumm (oder schlimmer) anstellt, also auch dann, wenn – jemand ein Hundemensch ist, einen Hund oder Mensch getötet hat, oder wenn er Freunde bei sich übernachten lässt, ohne dafür Geld zu nehmen.

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