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Das Bedürfnis meines Blogs, in alle Richtungen hinein zu wachsen, sich planlos irgendwie überall hin ausbreiten zu wollen, scheint derzeit schier endlos. Wie ein Tumor, der sich überallhin einkrallt, ausufert und auf allen Stühlen Platz nimmt. So wie heute – da entsteht eine neue Kategorie, und ein eiliger Spaziergang über den Boxhagener Platz will die Zeilen zugesprochen bekommen, die ihm zustehen.

So ist es – Berlin, in den letzten kalten Winterwochen, in der Ungemütlichkeit jenseits der schön-warmen Jahreswochen, sich verhaltend wie ein kleines Provinzstädtchen, in dem gegen 18 Uhr, pünktlich zur Abendbrotzeit, die Bürgersteige hochgeklappt werden, Berlin also hat seine Bewohner wieder aus ihren Wohnungen ausgespuckt, hat ihnen Sonne verordnet und Spaziergänge. Und aus lauter Langeweile, weniger aus echtem Guck-Interesse, führt der meinige Spaziergang mich zum Boxhagener Flohmarkt. Man darf ja eigentlich gar nicht mehr sagen, dass es schön dort wäre, auf diesem Flohmarkt, oder auf irgendeinem anderen, das käme der Behauptung nahe, man liebe Zahn-OPs oder die montagmorgendlich volle U2. Und ich gehe auch nur zum Boxi, weil ich dann vorher nicht noch Tram fahren muss, Party-Straßenbahn, die mich nur an einem noch ungemütlicheren Markt ausspucken würde, an dem man in etwa so entspannt laufen kann wie beim überfüllten New York Marathon, bei dem „Überholen“ eine blasphemische Bezeichnung für’s „Beine gestellt bekommen“ ist.

Wenn aber die Abneigung so groß ist – was treibt mich dann, mich und die vielen, vielen anderen? Es ist ja ein neuer Frühling, eine neue Saison. Und vielleicht, wenn die Sterne gut stehen, Weihnachten und Ostern auf den selben Tag gefallen sind – vielleicht überrascht der Platz ja dann – vielleicht. Und, zu einer fast erderschütternden Überraschung – tatsächlich: Ein neuer Stand; die Gürtelschnallen waren mir beim letzten Spaziergang im letzten neuen Frühling gar nicht aufgefallen, die sind sicher neu. Neu, aber nun wirklich nicht sonderlich schön. Und dann – der alte Buchstand, vorn an der Ecke, hat kleine Pappkisten zu einem Buchregal gestapelt, das hat was und gefällt, zumindest mir. Der Inhalt aber blieb sich gleich, nichts, nachdem ich suche, und zumindest für heute gilt, dass ich kein Buch mitnehmen will, das nicht zuvor schon auf der Leseliste stand. Aber will denn nicht irgendein ambitionierter Erstsemesterstudi mal die „Dialektik der Aufklärung“ anschaffen, sie müde durchblättern, und dann doch bald für mich hier aussetzen? Zum Gebrauchtbuchpreis, erschwinglich? Ich habe wohl kein Glück, bugsiere mich weiter vorbei an vielen und noch mehr Menschen, bin müde und gar nicht fertig für den Frühling, der soll mal erst in den Ferien wiederkommen.

Etwas abseits dann, schon müde, obwohl der Frühling noch scheint, stoße ich nach Nachfragerei in einer Bücherbox dann doch noch auf Adorno und Horkheimer, schlendere eilig und noch ein bisschen überlegend nach Hause und kreiere die oben erwähnte neue Kategorie. Vielleicht liegt’s ja am Frühling, dass das Blog wachsen will wie ein Tumor. Maybe, maybe. Not.

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