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Nun, dieser Beitragstitel bezieht sich nun nicht explizit auf das baldig bevorstehende Ende der Fastenzeit, welcher MajaSchwarz ob in diesem Jahr vollzogener Ignoranz gegenüber dem Verzicht gelassen entgegenblicken kann. Nun aber, es geht um den Speck im übertragenen Sinne, und der geneigte Leser mag gleich wieder seine Schelte ruhen lassen, wenn er das hier verwendete Wortspiel all zu platt findet: Es geht hier erstens nämlich immer noch um die Dialektik der Aufklärung, und zweitens geht es ganz jenau um den Begriff der Aufklärung, zumindest im Adornschen-Horkheimerschen Sinn, nämlich um das erste Kapitel der DdA. Und der darin zu findende Protagonist – ja, wir lesen die DdA heute mal als Kriminalroman, sonst kommen wir nämlich gar nicht weiter, so oll sperrig erscheint das Werk im Augenblick – also, der Protagonist ist – Wortspielalarm: der Herr Francis Bacon. Und an eben diesen wollen wir uns heute heranwagen.

Was beim ersten und zweiten Lesen gar nicht auffallen mag, ist: Da wird anfangs ganz viel von Bacon zitiert. So darf der Guteste über die vermeintlich glückliche, aber verhinderte Ehe des menschlichen Verstandes mit der Natur sich auslassen. Wir lernen Erfindungen kennen, die Bacon als bemerkenswert erschienen: die Druckerpresse, die Kanone und den Kompass. Soso. Diese Erfindungen sind ja ein Symbol menschlichen Wissens, und eben dieses, so Bacon, begründet die menschliche Überlegenheit. Erst auf der nächsten Seite enden Adorno/Horkheimer das Zitat, und gleich rekurrieren sie auf die von Bacon bemerkten Erfindungen: aus der Druckerpresse ist das Radio geworden (und hier mag man vielleicht an Marcuse denken, an Kulturindustrie und so), aus der Kanone wurde das Sturzkampfflugzeug, die Fernsteuerung ersetzt den Kompass. So hätten wir Gleichnisse, und wenn wir wollen, können wir diese als einen Angelpunkt des Eingangskapitels festhalten. Wenn wir wollen. Vermutlich aber müssen wir weitergucken.

Immer wieder geht es um Wissenschaft, um den Positivismus, den die Autoren schon in der Vorrede angegriffen haben. Aber es geht auch um den Animismus. Ani-was? Jaja, da hilft jetzt nur Wikipedia: Animismus, das sind so Weltvorstellungen, die es nicht im Singular gibt, sondern die bei alten … Völkern, oder, um mal dieses olle Wort zu lassen, bei den Jägern und Sammlern eine Rolle gespielt haben, sowas ähnliches also wie hylozoistisch: es geht um die Belebtheit aller Dinge, also darum, dass in allem, auch in einer Lampe oder meinem Mobiltelephon Leben steckt, eine Seele, die es zu achten gilt. Ein Gott quasi. Die Menschen setzen Spiegelbilder ein, sie erschaffen sich Mythen. Diese, so kann man zusammenfassen, halten als Kompensationsversuch für so allerlei Ängste her. Die Menschen setzten die Götter als das Wesen der Dinge ein. Aber wie war das mit den Spiegelungen? Der Gott, oder die Göttin, je nachdem, kann immer nur soviel abbilden, wie der verängstigte Mensch, der den Gott als Platzhalter für die ihm unverständlichen Dämonen (oder wahlweise Prüfungsämter etc.) einsetzt, im Umkehrschluss noch wieder kopieren kann. Äh, – hä? Naja, ich, also MajaSchwarz so wie alle anderen, die halbwegs nichts oder doch was mit Religion zu tun haben, setzen den Gott so, dass ich ihn auch beeinflussen kann.

Gut, soviel zur Theorie. Irgendwann kommt es zur Verabschiedung von allen animistischen Vorstellungen, denn schließlich muss ich ja, wenn ich denn Holz zum Hausbau (oder zum Aufbau eines neuen Ikea-Bettes) benötige, sicher sein können, dass der Baum, den ich fällen will, nicht doch noch eine Seele hat. Soviel also zur industriellen Weiterentwicklung der menschlichen Gesamtschaft, die eben lernen musste, sich vom Animismus loszusagen.

Das klingt mächtig verschroben, und erklärt uns auch den Bacon und seine Rolle nicht so ganz. Wir könnten ihn als Vater der experimentellen Philosophie beschreiben, aber eigentlich sind seine Wikipedia-Einträge auch ziemlich schmal. Eine Einordnung, oder die Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung, und was bitte hat, laut Adorno und Horkheimer, der Herr Francis Bacon damit am Hut, so dass wir ihn so ausgiebig zitieren müssen? – ja, also darauf bleibt MajaSchwarz wohl die Antwort schuldig. Es ist ja auch schon spät, und es muss noch ein Ikea-Bett zusammengeschraubt werden. Die im Holz wohnenden Geister zieren sich noch gegen das geschmeidige Ineinandergreifen des Lattenrostes …

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