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Kein Zerriss: Die geknautschte Kinokarte stellt keine Wertung dar

Cloud Atlas – mit seinen schier unzähligen verschiedenen Storyebenen ist der Film etwa wie ein reichhaltig gefülltes Brunchbuffet: von allem irgendwie etwas, hier ein Häppchen, da noch ein Kostpröbchen, dann und wann ein Gericht oder eine Zutat, an der man sich satt schlingen mag. Das Ganze aber ist wild durcheinander gewrungen: die einzelnen Stories werden nicht nacheinander erzählt, sondern sind zwischen einander geschoben: 1849 und 2144, Obsthäppchen trifft im Gaumenbereich auf Chicken-Wing, um gleich wieder von Tiramisu abgelöst zu werden, dann aber doch wieder einem Lachbrötchen Platz zu machen. Kann das gelingen, sollte es nicht Bauchweh machen, dass da alles so ineinander geworfen wird, dass kein Stück Essen und kein Stück Geschichte die Chance bekommt, sich selbst zu entfalten? Klaut der Cloud Atlas seinen Einzelgeschichten jeweils die Bühne, die sie verdient hätten, den Raum, in dem sie einzeln erzählt werden können, und ganz genossen werden zu können? Haben Tykwer und die Wachowski-Geschwister das ganze hübsch drapierte Brunchbuffet zusammen geschlagen und Suppe daraus gemacht?

Mitnichten: Cloud Atlas ist durcheinander erzählt, und es verlangt dem Gucker einiges ab, den Erzählsträngen zu folgen. Aber anders als beim Brunchbuffet stellt das Durcheinander eher Enthaltsamkeit dar statt überbordende Gier, die alles nur verschlingt. Die Askese heizt an. Wie ein Mönch werden wir auf’s Trockene gesetzt, um dann den nächsten Happen Geschichte umso intensiver aufnehmen zu können, weil der Appetit wachsen durfte, ohne vorzeitig gestillt worden zu sein. In dem Sinn ist Cloud Atlas vielleicht doch eine Weinverkostung, kein üppiger Brunch. Sicher, man ist erst mal satt, wenn man den Kinositz allein zurücklässt, und wird seine Zeit zum Verdauen brauchen. So hat der Film auch das ein oder andere Portiönchen ungesunden, unleckeren Fast Foods – ohne Gewaltgemetzel kommt der Film nicht aus – und doch: das Durcheinander passt, geht auf, unterhält. Und ob nun Brunch, Weinschlücke oder Stories: Letztendlich ist’s ein guter Input, dieser Wolken-Atlas.

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