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Unter Einsatz meines Lebens  – ich hatte auf dem Weg hin eine Fahrradpanne und vorher beim Sport aus vergesslicher Verlegenheit das falsche Paar Strümpfe angetreckt – schneeweiße Tennissöckchen, die den ganzen Abend über durch den Saal strahlen sollten – begab sich MajaSchwarz gestern Abend zur „Chaussee der Enthusiasten“, dem Versammlungsort der schönsten Autoren Berlins. Eine Rücküberlegung

MajaSchwarz ist ja in den meisten Momenten nicht so politisch unkorrekt wie Stephan Serin, oder wahlweise Prof. Dr. Börne im „Tatort“. Oder war’s in der „Lindenstraße“? Serin jedenfalls avancierte zur Else Kling der Chaussee, die im Grunde nichts anderes als das Donnerstagabend-Zuhause für die anonymen Mutter-Beimer-Fans der Nation ist. „Chaussee der Enthusiasten“, das ist doch auch wie „Lindenstraße“, nur pompöser, ein Wortspiel, aus dem auch „Lindenallee“ oder „Enthusiastengässchen“ hätte werden können. Die schönsten Schreiber Berlin finden sich donnerstäglich also zusammen wie am heiligen Lindenstraßen-Tag die Zenkers und Scholzes, die schönsten Nachbarn der Köln-Münchner-Kulissenstadt.

Der Kulissenwechsel, den die Chaussee allerdings grade vollzog – die Veranstaltung ist 20 Meter weiter ins „Badehaus“ gezogen – steht ihr weniger als die neuen Pappbrote dem Café, in dem Gabi Zenker seit eh und je die nun wieder frischen Teigwaren verkauft. Das Badehaus nämlich ist wenig geräumig, man bekommt schnell nix mehr zu sitzen, und im Barraum plappern alle, oder die Boxen pfeifen, was nicht schön ist.

Am Ende, oder schon eine Weile vorher, war ich doch bald müde, weil der optische Reiz mir fehlte, oder zumindest doch die dunkle Anonymität der Zuschauerreihen – vorne im Barraum strahlten ja meine Schneeweißsocken, so dass ans Auge-Schließen nicht zu denken war.

Nun, spätestens wenn die Werbung für die schönsten Autoren Berlins bei RadioEins angekommen ist, sollte über einen neuerlichen Umzug nachgedacht werden – solange nur der Abstand zur O2-World gewahrt bleibt. Den jedoch hat Stephan Serins Rückblick auf seine Pariser Erasmus-Abschlussparty gehörig verringert. Seine an Sexismus-grenzende Darstellung traut man eher dem O2-World-Mainstream oder dem Gros der sonntäglichen Lindenstraßen-Besucher zu, als dem gemeinen Chaussee-Bewohner.

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