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Zwischen den Jahren gehört es zum guten Ton, sich dreiteilige Ringe anzusehen, bitte möglichst blutig. Jane Austen gilt da als seicht. Ihre Bücher lohnen sich dennoch

Man mag Jane Austen vorwerfen, sie stünde der gesellschaftlichen Situation der Frau in ihrer Zeit nur allzu affirmativ gegenüber. Dass sie dabei eine herzhaft sympathisch-faule Art zu schreiben hat, wird sich jedoch nicht leugnen lassen. Auf dem Höhepunkt ihres Romans „Northanger Abbey“, als die „verräterische Gedrängtheit der verbleibenden Seiten schon“ entnehmen lässt, „daß wir alle im Sturmschritt der vollkommenen Glückseligkeit zueilen“, strafft Austen, und fasst zusammen:

„Ich habe zu ihrer Bequemlichkeit gebündelt, was sie zu der meinigen wieder aufdröseln müssen.“

Ist der Autorin die Luft ausgegangen, stand eine Deadline an, ist Austen ihrer Helden überdrüssig geworden? Wir wissen es an dieser Stelle nicht genau, und doch hat Austen, als eine der ersten Romanschreiberinnen, eine wundervolle Art, ihr Sujet, den Roman an sich, auf der Meta-Ebene zu betrachten.

Freilich, da wird die Geschichte der jungen Catherine erzählt. 17 ist sie, aus nicht allzu wohlhabendem Elternhaus. Sie verliebt sich bald, findet Freunde, verliert sie. Sie irrt sich, macht Fehler, und doch wird sie am Ende geheiratet werden.

Viel spannender als diese Geschichte selbst, die ohne allzu viele Schnörkel auskommt, die auch vorhersehbar ist, aber dennoch zuweilen wundervoll bannend erzählt, viel spannender aber dennoch ist Austens Art, sich immer wieder selbst in den Roman hinein zu holen. Austen ist quasi der Stephen King der 80er Jahre, sie ist David Mitchell: Die jeweils schreiben Bücher und ergattern sich dann Gastauftritte in deren Verfilmungen. Zu Jane Austens Zeit gab es noch kein Filmwerk, keine Kinoleinwand und kein RTL2-Nachtprogramm. Austen erschien also nicht auf Celluloid, vielmehr tritt sie uns in der Abtei Northanger vor die lesenden Augen.

Es ist also weniger Catherine, die Heldin, die wir liebgewinnen, sondern vielmehr der Kontakt zu Austen, ihre Kommentare, an einer Stelle sogar wild und leidenschaftlich, die „Northanger Abbey“ und die anderen ihrer Bücher zu einem Leseerlebnis werden lassen. Und eine verlockend andere Welt, eine, die gut in die Zeit zwischen Gänsebraten und Entenkeule passt. Und das ganz ohne Ringe, Zwerge und Kämpfe.

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