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Schon im November ist Pierre Schoellers Film „Der Aufsteiger“ in den deutschen Kinos angelaufen. Vorgestellt werden soll eine „politische Kaste, die in grandioser Selbstüberschätzung“ nur an sich denkt. Dass das schlecht und klischeehaft ist, wird leider allzu sehr deutlich.

Das Kinojahr gleich zu Anfang so dermaßen zu verhunzen, das gelang dem „Aufsteiger“ („L’Exercice de l’Etat“) auf wirklich eindrückliche Weise. Ein Minister für Verkehr und so wird, nachdem Jugendliche bei einem Busunfall draufgehen mussten – die unvermeidlichen Quoten-Toten – plötzlich wichtiger, als er’s vorher war. Nur ist das Ganze nicht ganz so geradlinig: Vor dem stetig müder werdenden Augen des Zuschauers müssen Umwege genommen werden, und die sind holprig. Weniger für Olivier Gourmet, der den Verkehrsminister mimt, als für diejenigen armen Seelen, die das Pech hatten, eine Kinokarte gelöst zu haben.

Der Minister, der dem Präsidenten immer näher kommt, muss auf der Fahrt von einem Termin zum nächsten – letzterer der Geburtstagsabend seiner Frau – bei einem Blick in sein Telefon feststellen, dass er zwar 4000 Kontakte, aber keinen einzigen Freund hat. Dass das schade ist, und weh tun kann, mag man glauben, aber im „Aufsteiger“ wirkt das nicht mehr als klischeehaft. Auch der Höhepunktmoment ist unangenehm, intim: Die Verkündigung des Beförderung, direkt vom Präsidenten verliehen, nimmt der nun Ex-Verkehrsminister während einer wichtigen Sitzung wahr: auf dem Klo.

Dem Zuschauer soll wohl, mit Biss und Schmiss, die Abgebrühtheit der Politikwelt nahegebracht werden. Methode ist hier eine Anreihung von Ekligkeiten: Von der Kloszene über den Sex im Film bis hin zur zweiten Unfallszene, noch härter als die erste, weil unerwartet. Hier gibt es nur einen Quoten-Toten: Der arbeitslose Fahrer im Praktikum geht drauf, verliert sein Bein und sein Leben, der Verkehrsminister überlebt. Dass er durchaus dolle schuldig ist an dem Unfall, das thematisiert der Film dann nicht. Schade, denn das wäre, neben einer Triggerwarnung (ja, hier hätte ich mir die gewünscht) für den zweiten Film-Unfall, mindestens nötig gewesen, um den Film nicht ganz als Brechmittel enden zu lassen.

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