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Der Hobbit, und mit ihm der Herr der Ringe, ist wieder mächtig en vogue. Das Mediengewitter verspricht leider mehr, als der kleine Bilbo Beutlin halten kann

Gandalf the ColourfulFür den flüchtigen Herrn-der-Ringe-Zuschauer, der die Trilogie eher aus Gruppendruck denn aus Leidenschaft heraus durchstanden hat, lesen sich die 17-stündigen Filme in etwa so: Ein paar Typen stehen mächtig auf’s Wandern, waren aber vorher bei keinem guten Outdoor-Ausstatter, haben also Probleme mit ihrer jeweiligen Unterkunft, legen sich unterwegs (die müssen wohl im Märkischen rumirren) mit ein paar hohlköpfigen Hooligans an, das Ganze ist ein mächtigesmächtiges Gemetzel, und irgendwas war da noch mit einem Bijou-Brigitte-Accessoire.

Das in etwa ist der Handlungsstrang, der bei MajaSchwarz im Anschluss an das über 3 Jahre hingezogene Kinoerlebnis hängen geblieben ist. Nun sollte Abbitte getan werden. Was lag da näher, als vorm Erscheinen der Kino-Version des kleinen Hobbits mal eben die Vorgeschichte zu lesen, ist das Werk doch halbwegs schmal? Gesagt, getan. Getäuscht.

Sicher, die Geschichte um die Zwerge und Herrn Bilbo Beutlich liest sich rasch. Die Täuschung liegt vielmehr darin, dass ich viel mehr in dem kleinen Buch erwartet hatte. Und was wird geboten? Die Zwerge machen sich, motiviert durch den Durst nach Materiellem, auf den Weg durch Länder, die noch schlimmer und garstiger sind als Nazi-Brandenburg, sie müssen wandern, wandern, zwischendurch auf Ponys reiten, und mitten im dunklen Wald stellen sie sich etwa so blöde an, wie die Helden im „Blair Witch Project“: Die Zwerge und der Hobbit müssen zwar nicht einfach am Fluß entlang laufen, um sich nicht stupide im Kreise zu drehen, aber dennoch kommen sie vom Wege ab, wie all die jenen armen Seelen, die sich zu Jahresbeginn auf den Weg durch den Diäten-Ich-werde-ein-besserer-Mensch-Urwald begeben, und auch ganz zackig die Orientierung verlieren.

Am Ende wird es dann nochmal höhepunktig; es gibt, wie erwartet, eine Schlacht, die zumindest in der Buchversion nicht ganz so blöde-lang-und-gewaltig ist wie in 217 Prozent der Herr-der-Ringe-Filme, aber dennoch ist und bleibt es: ein gewaltiger Krieg. Der Hobbit, seines Zeichens nun Meisterdieb, bietet uns ein weniglich Moral – „nun seid doch nicht so materiell, ihr lieben“ – aber diese Moral ist in etwa so spannend und neu wie die Auflösung von „Cloud Atlas“ oder „Life of Pi“.

Schade, dass der kleine Hobbit am Ende zwar ein großer meisterdiebischer Held ist, dieses jedoch am Format des Buches nicht viel ändert: Der Hobbit bleibt der „kleine“ Hobbit.

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Ein Kommentar zu “Ein kleines Buch: Der Hobbit

  1. Pingback: Mein Rundfunkbeitrag | Maja Schwarz

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