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Konsum nimmt zweifelhafte Züge an. Die aktuelle ZEIT befasst sich mit den Grenzen des Wachstums. Aber die Wochenzeitschrift ist nicht die einzige. Ein paar medial zusammengefasste Gedanken zu unserem Verbrauchsverhalten

Was haben die aktuelle Ausgabe der ZEIT, der diesjährige Kirchentag und der Berliner Blogger Stefan Schridde gemeinsam? Ihnen allen geht es um die Frage, wie viel der Mensch so braucht. So allgemein, nicht unbedingt im Besonderen. Die ZEIT befasst sich mit der Frage, wie weit wir wachsen können, so gesellschaftlich-ökonomisch, weniger der Einzelne. Der deutsche evangelische Kirchentag … tagt Anfang Mai unter dem Bibelzitat „Soviel du brauchst“, es soll um ein Mindestmaß an Gerechtigkeit gehen, um die Speisung der 5000, um Schulden-Erlass und ums Sattwerden. Und Stefan Schridde nimmt die Dinge, die uns so kaputt gehen, und für die wir immer wieder Nachschub kaufen, kritisch unter die Lupe. Konsumkritik in vielerlei Gestalt.

Nehmen wir uns kurz die Zeit, und schauen näher in die ZEIT. Da wird auch über die Galerie an Deosprays gesprochen, die der gemeine Mensch so anhäuft. Ohho. Auf die Werbung von Axe wird eingegangen, oder doch, weniger: Sie wird erwähnt, ihr kruder Sexismus wird nicht kritisiert. Da geht es eher darum, dass sich Menschen Deo-Flaschen ins Regal stellen, wie andere Menschen Bücher. Darum, dass wir das Deo lieb gewonnen haben, ein Gefühl mit ihm verbinden. Seien wir mal ehrlich zu uns selbst: Haben wir nicht alle schon mal einen Körpergeruch, eine Bodylotion oder Duschgel gekauft, dass wir zwar selbst verwenden, dass aber im Grunde nicht für uns, sondern doch für die Freundin gekauft ist, mit der wir im Fitnessstudio zusammen trainieren? Der wir nicht das billige Pröbchen aus der Zeitschrift entgegen halten wollen, sondern ein ordentliches Produkt? Eines, das wir lieben können, uns nicht dafür schämen müssen? Eines, das aus der Minimal-Größe des kostenloses Pröbchens herausgewachsen ist, und somit beispielhaft ist für unseren Wunsch nach Wachstum? Nun, vermeintlich spiegelt sich hier maßlos das Gesicht des Kapitalismus. Vermeintlich, denn die Wahrheit ist doch: Wir sind nicht materiell, wir sind gefühlsbetont. Wenn wir schon so eine innige Beziehung selbst zu unserem Deospray aufbauen – da kann uns die Minipackung doch nicht reichen. Lasst das Deo wachsen, und mit ihm unsere Herzen. Danke, Wirtschaftswunder!

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