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Denk ich an Amerika in der Nacht … … sind die anderen um den Schlaf gebracht. Nicht selten erntet man böse Blicke, wenn man ein Interesse für die USA erkennen lässt. Warum ist das so, und wie kann man dem begegnen? Eine Annäherung.

Sich als Linker in Berlin, als immer-noch kleinerPunk, für die USA zu interessieren, gehört meistens nicht zum guten Szene-Jargon. Vielmehr hat man es mit zwei Extremen zu tun: den in ihrem Resultat doch irgendwie anti-amerikanischen Plattitüden deutscher Naturmenschen, die ihren jährlichen Jahresurlaub am Ballermann verbringen, aber gern nach Las Vegas, Hollywood oder Florida führen, sich das aber dann doch nicht leisten (können), oder mit Gutmenschen, die in den USA nichts anderes als den imperialen Aggressor sehen, gerne auch in Bruderschaft mit Israel, wo einem die Felle schon mal davon schwimmen, und das Meinungsrepertoire in die untersten Schubladen des Populismus hinab gleitet, so dass dann schon mal von USrael die Rede ist. In der Regel läuft man eher auf Nummer sicher, wenn man ein (Urlaubs-)Interesse für Indien bekundet, anstatt dass man sagt, man führe gern (zurück) nach Washington, oder, gar noch provinzieller: Nach Georgia.

Warum also im Westen bleiben, beziehungsweise eben: sich dem Westen (gedanklich) noch viel stärker annähern? Sollte ich nicht eher mal mit Veganertum anfangen, meinen Müll ordentlich trennen, oder besser vielleicht: überhaupt all das Aktive lassen, und mich meinem Brotbackautomaten widmen? (In Bezug auf meinen Post vom Wochenende und im Vergleich zu einem Gasherd hat der zumindest den Vorteil, dass ich nicht meinen Kopf hinein stecken könnte, wenn ich irgendwann mal Sylvia Plath auf ihren nichtliterarischen sondern existenziellen Spuren folgen wollen würde.)

Klar, die USA werden nicht nur negativ wahrgenommen: Man mag Melanie Joy und J.S. Foer, schwört auf Betty Friedan, Judith Butler und die in die USA-Emigrierten Adorno und Arendt, liebt und schätzt Cindy Sherman oder die Urknalltheorie. Warum werde ich dennoch das schale Gefühl nicht los, mich für das falsche Thema zu interessieren, den falschen Kurs oder die doch dämliche Lesung gewählt zu haben? Immerhin bin ich (noch nicht) in der Politik-Beratung tätig, und wenn, dann müsste ich mich wohl eher nur mit einer amerikanischen persona non grata, also dem quasi un-amerikanischen Edward Snowden beschäftigen. Warum demnach mein Übersee-Interesse für die nördliche Halbkugel? Warum nicht: Entwicklungshilfe, Afrika, Kolumbien? Wieso der Mangel an Holzschmuck in meinem Schränkchen? Macht Ihr mir mal Kommentare dazu, warum ich mich so schlecht fühle, wenn ich mich mit den USA befasse, bitte. Ich widme mich derweil dann der Gegenargumentation. Und beschäftige mich eine Woche lang: mit den USA.

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