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Muss mir fleischloses Essen peinlich sein?

Neulich beim Inder. Ich bestelle Palak Paneer, ein indisches Frischkäse-Gericht mit eigenem Wikipedia-Eintrag. Mein Gegenüber sagt, noch während ich mir den Reis auf den Teller tue, etwa folgendes: „Hej, Du kannst ruhig dazu stehen, wenn Du Veganerin bist.“ Höre es, und schaufle nun den Spinat-Käse samt Reibekäse-Haube auf meinen Teller.

Oh ha. So in etwa fühlt sich das schuldige Kind, wenn der Umstand seiner Schuld den Eltern publik wird. Der Fleck auf dem Teppich, die zerdepperte Teuer-Vase, die 5 auf dem Zeugnis. Alles Dinge, deretwegen man beim Einschlafen gern ein paar Tränen verdrücken kann. Aber muss einem Veganismus peinlich sein?

Davon abgesehen, dass ich – offensichtlich – gar keine Veganerin bin, sondern lediglich den Gedanken von Jonathan Safran Foer folge – Fleisch ist essbar, aber doch bitte in Bio und in Maßen – und das zu Deutsch gern mit Halbzeitvegetarier.de weiter spinne, während ich auf Youtube Videos von Melanie Joy ansehe – also abgesehen davon, dass der (gänzliche) Verzicht auf Fleisch für mich eher (noch) ein Experiment darstellt – wieso habe ich das Gefühl, bei einer Peinlichkeit ertappt worden zu sein? Wieso das Manko des Gestehen-Müssens?

Klar, Gutmenschen. Die tun seltsame Dinge. Müll trennen, Öko-Faschismus, Mooncups. Boykottieren bestimmte Läden, als wenn das die Welt verändern könnte. Kaufen keine Käfig-Eier und gehen mit ihrer Weltverbesserungs-Mine hausieren. Wenn dann jemand der eigenen Ideologie Widerstand entgegenbringt, dann wittern sie Angriffsfläche und belehren. Der Nerv-Faktor ist hier nicht unbegründet recht hoch. Und doch – dass mir hier ein Schäm-Dich-Mäntelchen umgelegt wird, nervt auch. Nur weil mensch die eingetretenen Pfade verlassen will, der sachsen-anhaltinischen Mutter erklärt, dass man eben nicht täglich Steak essen will – das macht uns Berliner nicht zum Sonderling und auch nicht zum Hipster. Ich sage ja auch nicht: „Gib zu, dass du so weltfremdjungunddörflich“ bist 😉

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2 Kommentare zu “Gib zu, dass du Veganer bist

    • Genau darum geht es doch eben (auch): Um diese Diskrepanz. Um den Vorwurf vermeintlicher Radikalität. Viele Menschen „unterstellen“, nur weil man just gerade kein Steak bestellt, man sei VeganerIn, vermuten also selbst in vegetarischer Ernährung noch eine „Andersartigkeit“, die irgendwie komisch ist. Neulich, irgendwo in Süddeutschland, traf ich in geselliger Runde auf ein paar Leute, die ziemlich vehement gegen Veganer sprachen – so als seien das die allergrößten Exoten, die es jemals gegeben hat. Da fehlt es vielleicht an Kenntnis und an Erfahrungswerten. Trotzdem danke für den Hinweis, falls es noch irgendwo Missverständlichkeiten gegeben hat.

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