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Nachdenkenüber Lauf und Ort

Hach, das Olympia-Stadion. Ham das nicht die Nazis gebaut? Hm, ham se. Und da willst du jetzt hin, an einem Lauf teilnehmen, der auf die Strahlkraft dieses faschistischen Strotzbaus setzt? Ja, will ich.

Wie 12.000 andere angemeldete LäuferInnen auch. Heißt ja auch Volkslauf, dann kann dessen Königslauf, der B2Run, auch gern mal ins Propaganda-Zentrum eintrudeln.  Aber so ist das: Um’s Maifeld herum laufen, irgendwo bei Kilometer 4-Komma, das Stadion direkt im Blick, Travis trällern „Big Screen“ und neben mir strahlen die Monitore des Stadioninnenraums bis weit in den Berliner Nachthimmel. Eben habe ich einen Läufer vom „Berliner Landessportbund“ überholt, zumindest wies das Läufershirt ihn als solchen aus: ein ältlicher, kräftiger Mann, der gerade in den Walkingmodus überging, das Laufen stoppte und nun mehr nur noch trabte. Ich lausche weiter der Musik, drehe die Töne nochmal lauter und lege einen Zahn zu. Werde überholt, überhole selbst zwei Unterambitionierte, die im Schritttempo gerade Facebook-Nachrichten ins Handy tippen. Da die 5-Kilometer-Marke, ich sprinte langsam los, eine kleine Pause, als mein Handy zu stürzen droht. Nachdem es verstaut ist dann der wirkliche Sprint: da ist der Tunnel hinein ins Stadion, es geht bergab und mein Tempo nach oben. Vor mir ein Hippie-Bus mit Trommel-Musik (und das in diesem Stadion!), ich sprinte hinter dem Bus her (darin habe ich Training!), rechts (wo auch sonst in DIESEM Stadion?!) ein Krankenwagen, eine Frau vom Arbeiter-Samariter-Bund, die die Läufer vom Sani fernhält. Ich sprinte vorbei, überhole den Hippie-Bus. Huch, ist das da vorne tatsächlich schon das Ziel? Sprinte schneller, verliere wichtige 7 Sekunden, weil im Fanblock jemand auf ein verlorenes Handy aufmerksam macht, das plötzlich vor meinen Füßen auftaucht. Es ist nicht meins, meins klemmt noch zwischen feuchten Fingern. Da ist sie, die Zielgerade, Fotos werden gemacht und ich fühle mich seltsam erholt und glücklich.

War das jetzt die Strahlkraft der Szenerie, oder der Runner’s High? Ich bin mir nicht sicher, grüble über ersteres, hoffe auf zweiteres, humple nach Hause, versorge meine Wunden, und tue am andern Morgen Buße, in dem ich bloggend über den Volkslauf zum Nazibau sinniere.

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