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Wow! Gegen Judith Schalansky ist Stephan Serin echt Kinkerlitzchen. „Der Hals der Giraffe“ ist wohl das Allerböseste, das es in Sachen LehrerInnen-Innensichten auf dem Markt gibt (zumindest as far as I know) und das Anfängergeklage des Herrn Serin nichts gegen die Schulwelt, in der Inge Lohmark, die Protagonistin im „Hals der Giraffe“ lebt und wütet. Bitter, böse, zynisch und doch „ein psychologisches und sprachliches Meisterwerk“.

Eigentlich passiert im „Hals der Giraffe“ nicht viel, ganz viel geschieht in Andeutungen. Das sind nicht mal richtige Rückblenden, die uns Schalansky da vorsetzt, sondern kleine Erinnerungsfetzchen, Bilder wie schnelle Schüsse in den Kopf. Inge Lohmark – die ist der Prototyp des schlechten Lehrers. Unterrichtet seit 30 oder so Jahren in der mecklenburgischen Provinz, hat die Wende nicht verkraftet, hasst die Schüler, das Leben, sich selbst, ihren Mann, ihr Kind. Eine Endlosliste auf Tristigkeiten, gepaart mit wunderbar klugen Vergleichen aus der Welt der Biologie.

Das Manko: Der Roman hat mich Wochen gekostet. Hier ein Häppchen auf der Bahnfahrt, da drei Seiten im Flieger in die Sonne. Dabei ist nicht so sehr der Inhalt runterziehend und dröge-machend, sondern zuweilen die eigentlich schlauen, gewitzten Vergleiche. Aber die Vergleiche gehen auf Kosten von Handlung. Inge Lohmark betrachtet die Welt, sie referiert ihren Schülern und damit auch uns, dem ganz außen stehenden Leser. Seitenweise. Manchmal ist das anstrengend; über die Passage mit dem Hals der Giraffe hätte ich beinah hinübergeblättert. Dann aber – Literatur ist ja nicht immer seicht und leicht verdaulich – entpuppt sich dieses Bild von der Bildung des Menschen über die Anatomie und den Willen der Giraffe als so herrlich stimmig. Und macht aus dem Hals der Giraffe ein wunderbares Buch. Und nebenbei ist diese Zustandsbeschreibung einer alternden Lehrerin eine kleine Erinnerungsfahrt zurück in den Bio-Unterricht der Grundschulzeit.

Fazit: Lesen. Und dann im eigenen Schulalltag dafür sorgen, dass die Inge-Lohmarks unter den Lehrern nur eine Romanfigur sind vor keiner Tafel zu stehen kommen.

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