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Manchmal, manchmal befasst sich auch das Mainstream-TV mit etwas, das die Macher dieses Mainstreams wohl als kritischen Blick auf eine sexistische und sexualisierte Gesellschaft bezeichnen würden. So neulich die 3sat-Doku „Vom Strampler zu den Strapsen“. In der ging es um junge Mädchen, die zu Objekten werden, deren Hauptaufgabe, so die Ankündigung auf 3sat, es ist, „Jungs zu gefallen. Die wiederum haben Zugriff auf alle Spielarten von Sex im Internet.“                                                                                                                                                So weit, so ungut. Die Doku gibt tatsächlich einen ganz guten Einstieg in das Thema Sexismus – wie Werbung für Mädchen und Jungs unterschiedlich funktioniert, wie Mädchen (und Jungs eben auch) in ihren Rollen reduziert werden, und zeigt, inwiefern insbesondere die Rollen von Mädchen und (jungen) Frauen auf eine ziemlich einengende Art auf Sexobjekte reduziert wird. Auf der anderen Seite bespricht der Film Jungs und (junge) Männer, die quasi überall Zugriff auf Youporn und ähnliche Angebote im Netz haben, dabei aber (noch) gar nicht wissen, wie sie all das Wissen um Techniken verarbeiten können (wenn nämlich auf der anderen Seite das Gefühl flöten geht).

Ein paar Dinge stoßen an der Dokumentation aber doch auf. Der Ton beispielsweise. Der ist ziemlich moralisierend. Karla Etschenberg, die interviewte Lehrerin und Erziehungswissenschaftlerin, bemüht sich zwar an einigen Stellen (ca etwa Minute 41:40) um eine sex-positive Meinungsäußerung; gleichzeitig scheint der Film durchweg Sexpraktiken zu verteufeln, die vom gewöhnlichen Mann-oben-Frau-drunter-Akt abweichen. (Als schwuler Junge ginge mir die Verurteilung von Analsex in der Doku sicher irgendwann gegen den Strich.)

Außerdem, und das ist noch viel nerviger als die Moralkeule, die die Doku zum Teil schwingt, ist der Beitrag ziemlich voll von Lookism. Wie eine Arte-Doku zum Geburtstag des Minirocks vor einiger Zeit kommen zum Thema nur Frauen und Mädchen zu Wort, die irgendwo im Bereich „normal attraktiv“ verortet werden (von wem? Als Akteur sehe ich hier mal den Mainstream-Geschmack, aber auch der ließe sich sicher weiter definieren). Die Doku spricht die Rolle an, in die Mädchen als Frauen hineinwachsen soll; ein vermeintliches Idealbild „Frau“ wird diskutiert. Dieses Bild aber, so zumindest habe ich das gesehen, schließt Trans-Menschen aus, und solche, die größer als die Norm sind oder eine Behinderung haben.

Das unhappy End der Doku: Am Ende heißt es „Prince Charming does really exist, he doesn’t quite look how you think. Just keep your eyes open.” Das Schlusswort zum Sonntag lautet also, man sole doch auf den einen warten. Prince Charming ist demnach weder queer, noch sollen junge Mädchen sich einfach mal nur auf sich selbst verlassen. Als bräuchte es immer die Beziehung, die Frauen komplett macht. Schade, aber wenn man sonst nur mit Hello Kitty in Berührung kommt ist der Film zumindest … ein Einstieg.

Die Doku kann man sich bei Youtube ansehen.

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Ein Kommentar zu “„Vom Strampler zu den Strapsen“ – Gedanken zur 3sat-Doku

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