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Sonntag vor zwei Wochen. Ich geh mit Freundinnen im Kreuzberger Südblock brunchen. Vier Mädels, die jeweils mich, sich aber untereinander nicht kennen. Nach 7 Runden Nachschlag und Pancakes obendrauf bleibt jedoch zu bezweifeln, ob sie sich wohl annähern konnten. Nicht, dass es keine gute Stimmung war. Aber doch – da war sowas wie ein Ungleichgewicht. Kathi (die ich mag, das will ich vorwegnehmen und betonen) sprach über Brötchen, Obst, Tiramisu, Champus und Kuchen nur über eines: Felix. Felix‘ Wohnung. Felix hier, Felix da. Felix im Bett, im Job, im Facebook-Chat. Sie hatten bis dato wohl einen One-Night-Stand, was sie von ihm wusste, waren Konglomerate aus den paar Gesprächen, die es um den Sex herum drappiert gab. Mit vollem Magen über meinen Milchkaffee gebeugt habe ich den Eindruck, ihre Erzählung über Felix dauert länger als der Abend mit ihm.

Und ich frage mich: warum? Warum serviert uns Kathi hier die ganze Geschichte, garniert mit Spekulationen darüber, wie er das und jenes gemeint haben könnte. Spricht, und fragt und spricht und erzählt. Wir gehen auseinander, und in den Augen der anderen lese ich einen Anflug von Frappiertheit. Oder ist das nur ein Hauch Über-Interpretation?

Nun, aus mehreren Gründen spreche ich derzeit gern vornehmlich über Uni-Themen. Meine Abschlussarbeit, die Essays auf dem Weg dahin. Auch bei Freunden, die ich sehrsehr mag, switche ich momentan gern mal die Themen hin zur Sachlichkeit. Die Zeiten und (Paar-)Beziehungen, in denen ich vornehmlich nur über (Paar-)Beziehungen reden wollte, sind rum. Umso mehr frage ich mich, wie eine ziemlich begabte Frau mit eigentlich so vielen Leidenschaften und Themen, sich dazu runterreissen lässt, unentwegt über Männer zu reden. Als wäre sie ohne Mann nicht komplett, und als wäre der noch zu findende Gatte das Heil zu allem Weltübel.

Sicher, ich spreche hier mit Überheblichkeit. Meine ehegleiche Beziehung lässt mich das Gefühl der Suche möglicherweise nicht in vollen Zügen nachempfinden. Wäre ich allein, ich würde das sicher ändern wollen, vielleicht sogar früher als später.

But – why not embrace what you have? Single sein heißt doch auch, die andere Hälfte des Bettes mit Büchern und Zeitschriften voll zu packen. Neben Gedanken pennen zu können, und den Menschen um sich haben, der doch irgendwie der tollste im Leben ist: Frau selbst. Frau Kathi, Du bist toll. Toll, komplett, interessant, interessiert, schlau, sexy, du fesselst, wenn Du erzählst, und hast so Vieles zu bieten. Und wenn es jemand verdient hat, von dem, was Du zu bieten hast, zu profitieren, dann bist das in erster Linie: Du. Und keine Beziehung, die vielleicht kürzer ist als die langfokussierte Berichterstattung über sie.

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6 Kommentare zu “MännerBlaMännerBlaMännerMännerBlaBlaBla

  1. Danke. Du hast mir die Augen geöffnet. Vielleicht sollte ich einfach aufhören, mich auf andere Menschen einzulassen und als Insel vor mich hin leben. Denn ich selbst bin ja ohnehin die Person, die mir am meisten bedeuten sollte. Ich stelle meine Karriere, bzw. meinen persönlichen Aufstieg an oberste Stelle und werde zum Karrieremenschen. Frauen sollten in meinem Leben der perfekten Selbst-Verwirklichung nur Nebensache sein. Bestenfalls Sex-Objekte, bei denen ich gefälligst aufpasse, dass ich mich nicht verliebe. Wie? Das klingt sexistisch? Egoistisch? Kaltherzig? Pah! Gefühle sind doch nur Übertragungen an den Synapsen. Nichts, was reichlich Alkohol nicht betäuben könnte! 😉

  2. Ohje, ich wurde gerade von einem kalten Windzug der Betroffenheit aus meiner gemütlichen Lethargie geweckt, bin erschrocken auf meinem mit Zeitschriften und Büchern bedeckten Bett (damit ist vor allem die andere Betthälfte gemeint) von meiner bequemen Lese-Liege-Position in eine aufrechte Sitzhaltung hochgefahren. Ok, nochmal kurz fürs Protokoll: Hat sich hier gerade der in seinem Ego gekränkt fühlende ONS-Lover von Kathi zu Wort gemeldet oder was ist hier los? Einer, der es nicht ertragen kann, dass Kathi, völlig eingenommen von dem Gedanken ohne einen Mann nicht glücklich sein zu können, sich mal einige Zeit mit sich selbst beschäftigt? Sprich: Sich mal nicht mit unausgegorenen Männergeschichten, Luftschlössern und Projektionen befasst. Sich mal um sich selbst kümmert, um ihr Selbstbewusstsein, um ihre berufliche Zukunft, um ihre Bildung. Ich lese in dem Text an keiner Stelle heraus, dass Männer mit Frauen keine Liebesbeziehungen eingehen sollten, die natürlich dann auch die gemeinsame Lebensgestaltung beeinflusst. Davon war in diesem Artikel auch nicht die Rede. Es geht hier um die Sehnsüchte eines Mädchens, die die Erfüllung ihrer Träume von völlig instabilen Faktoren abhängig macht, wie z.B. von einem Mann, mit dem kaum eine Verbindung besteht, außer, dass sie ein ONS hatten. Die Autorin möchte sie (und vielleicht andere Frauen, die sich in Kathi wieder erkennen) zur Vernunft rufen, sie empowern und stärken. Und nicht Menschen, wie dich, Kirk, in deiner männlichen Liebens- und Beziehungswürdigkeit angreifen. Ohjeemineee…(und jetzt zurück zu meinen Büchern…)

  3. Nein, Ruecklicht, ich bin nicht Kathis verschmähter Lover. Dieser dürfte zweifelsohne nach einem ONS noch nichts für sie empfinden. Vielmehr ging es mir darum, auf eine gern übersehene „Minderheit“ aufmerksam zu machen: Männer, die sich verlieben – vor dem Techtelmechtel. Deshalb sah ich mich genötigt, tief in der Sarkasmus-Kiste zu kramen und die schweren Macho-Geschütze aufzufahren. Meine Kernbotschaft: Auch Männer befassen sich gern mal mit „Luftschlössern“. Und es ist eine Tragödie, wenn sie diese um Damen herum bauen, welche sich gerade mit ihren Single-Appartments und der kalten Umarmung von Büchern zufrieden geben.
    Dies ist kein Angriff auf (euch) selbstständige, starke Frauen. Eher auf eine Gesellschaft, die vollkommen übersexualisiert ist, in der die Menschen (jeden Geschlechts und jeder Orientierung) aber immer beziehungsunfähiger werden. Eine Gesellschaft, in der alles analysiert wird und kaum jemand fähig ist, seine/ihre Gefühle authentisch auszudrücken. Eine Gesellschaft, die mit all ihren One-Night-Stands und sozialen Netzwerken nicht in der Lage ist, die Lücke an der Stelle zu füllen, wo sich früher Romantik befand.
    Selbstverständlich sollte man seinen eigenen Wert nicht von Anderen (z.B. Beziehungen) abhängig machen, aber zu verleugnen, dass in jedem von uns der Wunsch nach Liebe steckt, ist in meinen Augen der falsche Weg.
    Es bleibt abschließend zu hoffen, dass sich unter all den Büchern auf den kalten Seiten all dieser Betten auch irgendwann mal ein paar Sturm-und-Drang-Werke finden lassen.

  4. „Nun, aus mehreren Gründen spreche ich derzeit gern vornehmlich über Uni-Themen. Meine Abschlussarbeit, die Essays auf dem Weg dahin. Auch bei Freunden, die ich sehrsehr mag, switche ich momentan gern mal die Themen hin zur Sachlichkeit.“

    Umso mehr frage ich mich, wie eine Frau mit eigentlich so vielen Leidenschaften und Themen, sich dazu runterreissen lässt, unentwegt über die Arbeit zu reden. Als wäre sie ohne Uni-Abschluss nicht komplett, und als wäre dieser das Heil zu allem Weltübel.

    Merkst du was? der zweite Teil ist leicht verändert aus deinem Text übernommen. Gesprächsthemen sind doch immer die, die einen gerade beschäftigen. Und deine Freundin Kathi macht sich vielleicht gerade Gedanken über Felix – vielleicht hat sie sich ja auch ein bischen verliebt in ihn.
    Was ist falsch daran andere Prioritäten im Leben zu setzen als du?
    Jemand, der vielleicht schon einen Abschluss hat und beruflich mit beiden Beinen im Leben steht, aber SIngle ist. Wird sich thematisch vielleicht auch eher mit der Suche nach einer Beziehung befassen statt mit der Arbeit. Dann könnten solche Sätze entstehen wie das oben geänderte Zitat. 🙂

    Liebe Grüße,
    Miria

    • Liebe Miria,

      Danke für Deinen Kommentar, bei dem ich jedoch überlegt habe, ob ich ihn freischalte.
      Natürlich hat jede ihre Themen, natürlich auch die Gründe dafür. Mit nem Focus auf Uni-Themen muss man nicht unbedingt das Weltheil in einer abgeschlossenen Berufsausbildung sehen. Vielleicht ist Uni eine Sublimation, eine Art … Trauerarbeit.

      Wir sind hier also an dem Punkt, wo die Dinge, die bei meinem Text unter der Oberfläche liegen, nicht bekannt sein können. Wo vielleicht Missverständnisse aufkommen. Natürlich hat Kathi ein Recht auf ihre Themen. Und die Zeit, die sie dafür braucht. Meinem quasi offenen Brief sind Gespräche voraus gegangen, die hier nur angedeutet werden können. Quintessenz sollte sein: Den … eigenen Wert höher schätzen, ohne … „Preisermittlungsmakler“.

  5. Ich verstehe dich zum Teil sehr gut, zum Teil aber auch Kathi. Arbeit und Uni sind für mich auch Trauerarbeit, aus anderen Gründen sicherlich als bei dir, aber dadurch nehmen sie allen Raum ein, aber manchmal, an manchen Tagen nach manchen Begegnungen, rede ich auch nur und ausschließlich quasi zwanghaft über eine Person, auch über einen Mann. Mir wird häufig vorgeworfen, dass ich “so oft über Männer rede”. Dieser Vorwurf ist schmerzhaft, nicht weil er gelogen wäre, sondern weil er, mit dem was davor und danach kommt, oft etwas ganz wichtiges abspricht: mein Gefühl. Das ehrlich Gefühl verliebt, verknallt oder einfach nur umgeworfen zu sein. Dann wieder rede ich nur über die Arbeit, nur über Politik, nur über Nachrichten, nur über was-auch-immer.
    Vielleicht geht es Kathi genauso. Vielleicht war sie einfach umgehauen und konnte und wollte es nicht unterdrücken. Egal, ob sie gern Single oder in einer hetero-Paar-Beziehung ist.

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