Home

Über Leute, die ständig auf’s Smartphone starren. Ein paar Überlegungen. Und eine Ansage.

„… und sich eben gegen das Aussetzen von Tieren einsetzen!“ So sprach mich eben ein Promoter am Bahnhof Alexanderplatz an. Ich kam eben von der Rolltreppe, mein Smartphone in der Hand, grad hatte ich eine Nachricht an einen Arbeitskollegen geschickt, dessen Kind krank war, und von dem ich kurz hören wollte, ob’s mittlerweile bergauf ginge. In diesen Blick auf mein Telefon war der Promoter mit seiner Frage geplatzt.

Einer Frage, die Zugleich ein Vorwurf war: „Hey, Sie Facebook-Suchtie!“ Ein Vorwurf? Vielmehr eine Unterstellung. Zumindest kam das bei mir so an: Sie verbringen zu viel Zeit mit ihrem Handy. Sie sollten laufen, die Welt sehen, nicht auf’s Smartphone glotzen. Sie sind irreal.

Ist das so? Habe ich den Bezug zur Welt verloren, weil ich häufig (zu häufig?) auf mein Telefon blicke, kurz nachsehen will, ob neue Nachrichten, egal ob über Facebook, WhatsApp oder Mail, eingegangen sind? Schreibe ich das hier, weil ich tatsächlich als Suchtie ertappt wurde und mich nun rechtfertigen will?

Ich glaube, nicht. Ich glaube eher, es hackt! So jedenfalls habe ich den Promoter am Alexanderplatz eben angesehen. Seine quasi-Unterstellung – ich würde mich um die Welt nicht kümmern – hat mich verärgert. Tatsächlich nämlich sehe ich mich als … guten Zuhörer, empathisch, jemanden, der Stimmungen und Spannungen spürt. Als jemanden, der sich mit dusseligen Feel-Good-Nachrichten sehr wohl zurückhält, wenn ich ahne oder weiß, dass es der Person am anderen Ende meiner Smartphone-Leitung vielleicht gerade nicht gut geht. (Dem Kollegen würde ich momentan keine Party-Fotos schicken …)

Dabei sind zwei Dinge Fakt: Es nervt mich zuweilen, wenn meine Real-Life-Gesprächspartner während einer Unterhaltung unentwegt auf ihr Handy starren. Und: Ich tue das auch, nicht selten sogar. Und werde dann von meinem Gegenüber gerügt. Dabei profitieren zu anderen Zeiten ja sie selber davon, dass ich ab und an auf’s Handy blicke – selbst wenn ich gerade mit jemensch anderem im Café oder in der Mensa sitze. Schließlich führe ich dann manchmal auch mit ihnen eine virtuelle Unterhaltung darüber weiter, wie es ihrem Kind momentan geht. Oder der Masterarbeit. Oder dem WorkshopOneNightStandWhatever.

Ruecklichter hat kürzlich einen Beitrag darüber geschrieben, dass all die Smartphone-Nachrichten, die man sich so schickt, auch ziemlich nerven können. Status-Updates in Echtzeit, „HabeBahnVerpasstVerschlafen, scheiße nun neuen Post“. Das nervt. Auch möchte ich zuweilen nicht, dass all die schlechte Laune, die sich im Laufe eines Tages so bei Freundinnen aufstaut, in eben dieser Echtzeit bei mir abgeladen wird.

Aber tatsächlich ist die ganze Smartphone-Guckerei durchaus ambivalent. Ich bin pro und con zugleich. Aber ich schätze, ich weiß die Momente, in denen Blicke auf’s Handy taktlos sind, von den Klopausen, die mein Gegenüber im Café macht, und die ich mit einem Blick in meine Mailbox überbrücke, durchaus zu trennen.

Bis hierhin meine Überlegungen. Meine Ansage ist nun vielleicht noch vage. Let’s phrase it like this: Ich mag keine moralisch aufgeladenen Belehrungen. Und ich habe wenig Lust darauf, mir Weltdistanz vorwerfen zu lassen, weil ich, auf der Rolltreppe am Alex oder irgendwo im Café zwischendurch, auf’s Handy schaue. Diejenigen also, die mir eine über einen der Immer-Erreichbar-Kanäle Nachrichten simsen, sollen bitte aufhören, zu nörgeln, wenn ich die dann auch abrufe – manchmal eben in ihrem Beisein.  … Was den Promoter angeht, und seine Masche des schlechten Gewissens … darüber blogge ich ein anderes Mal

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s