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Manche Menschen putzen wie blöde. Für Geld. Gegen Geld. Viele von Ihnen sind Frauen, obwohl Beziehungen doch so emanzipiert ablaufen. Einige Betrachtungen zu Ordnung und Sauberkeit

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Unscharfe Trennlinien: Staub und Glitzer des Badezimmersternchens

Montag. Ich erwache mit Halsweh und Kopf. Der Schädel brummt, die Stimme knarkst und ich melde mich krank. Nach zwei Tabletten, drei Zusatzstunden Schlaf und einem selbstgemachten Smoothie zum späten Frühstück bin ich aber wieder halbwegs fit. Da allein zu Hause, bleibt die Stimme geschont, ihr Knarksen kann mir also egal sein. Allerdings sind die im nun nicht mehr schmerzenden Kopf sitzenden Augen dann so fit, dass mir das Grauen die Sehnerven entlang wandert: Überall, in der ganzen Wohnung: Schmutz, Chaos und Unordnung.

Sodann stürze ich mich ins Gefecht: Wische Staub, den Boden, räume Wäsche weg und in die Maschine, drappiere Schlüpfer auf dem Wäsche-Ständer und sammle die Pfandflaschen in der Küche zusammen. Während ich zwei blaue Ikea-Taschen fülle, zähle ich Pfandgeld zusammen und sinniere, was ich mit dem Geld wohl mache … 3D-Kino zu zweit, brunchen gehen zu dritt? Beides klingt nett, ich freue mich auf den Lohn für die Putzaktion.

Lohn? Hier wären wir beim casus knaxus: Ich verbringe den Tag ja nicht nur mit Saubermachen. Hier und da verfalle ich den Versuchungen sozialer Netzwerke, nachmittags verwende ich kurze anderthalb Stunden darauf, einem meiner Essays den Feinschliff zu geben. Nachdem hinter allen Literaturangaben ein Punkt steht, renne ich nochmal ins Bad, hier liegen noch immer Fusseln auf dem Boden und überhaupt isses hier nicht sauber.

Wenn ich die Bummelei, die Essay-Zeit, Mittagsessen und ein Telefonat abziehe, habe ich heute wohl so drei Stunden mit Saubermachen und Aufräumen verbracht – das Ganze bei mäßigem Erfolg. (Gott sei Dank werden die Benachrichtigungen für den Nobelpreis per Telefon überbracht; niemand kommt einem ins Haus!) Die Frage nun: Ist es das wert? Wäre ich heute Morgen nicht halb krank im Bett geblieben, hätte ich durch Lohnarbeit sicher so viel Geld verdient, dass ich mich einmal die gesamte Simon-Dach- und Niederbarnimstraße hätte entlang brunchen können. Und abends dann mit Freunden ins 3D-Kino gehen können.

Ich frage mich nun: Was ist ein saubere Wohnung wert? Hätte nicht irgendwer in der Hälfte der Zeit meine Wohnung effektiver geputzt? Eine Zugehfrau, Reinigungsfachkraft, wer auch immer? Ich hätte die Hälfte dessen, was ich in einer Stunde verdient hätte, in eine saubere Wohnung investieren müssen.können. anstatt dass ein ganzer Tag flöten geht.

Und warum ist mir das überhaupt was wert, dass die vier Wände um mich herum sauber sind? Ist es Prokrastination, hat es mit Psychohygiene zu tun? Bin ich plötzlich erwachsen und spießig? Die Castor-Shottern-Zeiten sind rum und ich lege meine Füße nicht mehr auf dem S-Bahn-Sitz mir gegenüber ab. Dass derdie MitbewohnerIn putzt oder nicht putzt sorgt in fast allen WGs fast immer irgendwann für Zoff. Es ist vielleicht nicht mehr so sehr eine Differenzierung zwischen Männern und Frauen – in den meisten WGs oder Beziehungen die ich kenne, ist das ganze Putzgedöns halbwegs gleichmäßig verteilt; keine Frau, die ich kenne und die in einer Beziehung/WG lebt, schmeißt den Haushalt hauptsächlich alleine.

Früher, in der DDR, hätte man meinen Schnupfen heute wohl als Haushaltstag eingeordnet. Sicher, den hat man vorher beantragt und nicht spontan genommen. Und doch: ICH habe einen Krankentag mit putzen verbracht, nicht ER. Jaja, ich hätte das nicht tun müssen, ich hätte Dr. Who schauen können. Aber hier komme ich doch zur Frage der Entlohnung zurück: Sind die Jobs von Frauen (immer noch) weniger Wert als die von Männern? Erfüllt sich hier ein Klischee, als Frau hätte ich ja (gefälligst) auch Spaß am Aufräumen? Klar, das mit dem psychologischen Effekt stimmt schon – allerdings ist der dahin, als ich, pünktlich zu seinem Feierabend, Essen mache und die Küche hinterher wieder wie ein Schlachtfeld aussieht.

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