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Dieser Tage stehen alle irgendwie (immer noch) volle Kanne auf Selbstoptimierung: Der Reload des Jahres bringt einen Batzen guter Vorsätze mit, anhand derer wir uns selber zu perfektionieren suchen: Mehr Sport, weniger rauchen, nur noch manchmal Alkohol, und eine neue Sprache wollten wir doch auch dringend lernen. Das zumindest wären die Klassiker der eigenen Neujahres-Knechtung.

Dazu gesellen sich bei manch anderen auch ganz andere Vorsätze: Weniger Tatort, aber mehr Dr. Who schauen. Die Haare nicht nur samstags bürsten. Vegan statt vegetarisch essen. Bei Essays nicht mehr plagiieren. Die neue Thermoskanne nicht wegen Faulsein in die Spülmaschine räumen. Den Therapeuten anrufen, das Webblog umziehen, doch den Marathon angehen (3! Euro für die Wortspielkasse!), dem 6.-Februar-Geburtstagskind dieses Jahr auch wirklich schreiben. Die Liste ließe sich beliebig erweitern. There’s always room for improvement. Room? Entire castles full of Optimierungsbedarf.

Aber all die Optimierungswut stoppt ja nicht vor der eigenen Haustür. Dass alles besser ginge, man moralischer, veganer, schlanker, gesünder, schlauer, schlafender sein könnte – das will man dann plötzlich auch anderen überhelfen. Wie, als würde man sich Komplizen für die eigene Knechtschaft zulegen wollen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, also trietze ich den anderen in meine Pein hinein. Gute Ratschläge nennt man das, und tarnt Tadel und Besserwisserei in vermeintlich wohlgemeinte Empfehlungen: Trink Tee, dann schläfst Du besser. Geh zur Uni, dann wirst Du schlauer. Such nicht mehr, dann wirst Du Deinen Deckel schon finden. Ernähre Dich gesünder, dann bist Du nicht so fett.

Schmeißen wir nicht alle gern mit Ratschlägen um uns? Gehen mit Alltagsschlauheiten hausieren wie die Priester mit dem guten Glauben und den Sonntagsworten? Wie Tentakelarme greifen wir in unserer Optimierung um uns. Aber wem hilft das? Wessen Experte wollen wir da sein? Kennen wir die Diagnose des anderen? Sind wir hauptberuflich Arzt, oder woher nehmen wir die Apotheker-Schlauheit, wenn derdie KollegIn sich mit Rückenweh plagt? Hören wir noch zu, oder helfen wir Fertigrezepte über? Und mit wem schimpfen wir, wenn sich das Opfer unserer Besserungssucht par tout nicht bessert, nicht so entwickelt, wie wir das im Sinn haben. So stand es doch im Ratgeber, neulich, als wir beim Friseur gewartet haben.

Hach, bleiben da am Ende nicht alle Trübsal blasend zurück. Lasst uns uns selber optimieren: Fürs neue Jahr nehme ich mir vor, anderen von ihrer Ratschlägerei abzuraten. Jawoll! 

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