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Welche Dinge erleben wir in einer Woche? Und wie viele? Die Früchte des Zorns haben mal in einem Song gefragt, ob wir uns, wenn unser Leben ein Film wäre, diesen Film ansehen würden. Ich fand die Frage ziemlich lange ziemlich doof; ich dachte, mein Leben sei nicht gut genug für einen Film. Bis mir aufging, dass Filme raffen, Zeit komprimiert ist, die Leerlauf-Phasen herausgeschnitten. Mein Leben ist kein von Sinologen zu entschlüsselndes Filmwerk, in dem innerhalb von drei Stunden maximal drei Einheiten Dialog vorkommen dürfen. Aber klar – da sind Stunden, die sind öde. Grade mal Director’s Cut, nichts für die Leinwand, kein Blockbuster, den Pro 7 ins Freitagabend-Programm aufnehmen würde. Aber mehr als PizzaPizzaPestobrot. Keine aufgehübschte Abwandlung des immerselben. Kleinstadtrandsiedlung. Eintönigtapete, Kochabende. Mehr nicht. Wenn ich zuhöre, wie die Woche war, was höre ich?
Schweigen? Platzhalter der Leere? Runterschlucken, kauen, Stille? „An was arbeitest du?“ „Was liest du so?“ Repliken ohne Widerhall. Tonloses Nichts. Wenn dein Leben ein Film wäre, was bloß wäre der Plot? Was die Inspiration? Wer handelt, denkt, lebt in deinem Film über das Leben als Reifer?
Wäre dein Film mehr als ein Trailer, gefüllter als ein Werbespot? Illusion, Blendung?

Wie viele Dinge erleben wir? Was zeichnet unsere Wochen? Arbeit, Freunde? Neugier, Wissensdrang? Flucht? Was tun wir in Wohnungen, wenn uns doch nichts nach draußen zieht? Wo ist vorn, wo wollen wir hin, wenn kein Inhalt uns fesselt? Studieren reiner Pragmatismus. Kein Herzblut. Gespräche im Repeat1-Modus.

VitaActiva trifft auf Müßiggang, Hannah Arendt auf Pauschalurlaub im Dasein überhaupt. Was sind Pläne, was nächste Schritte? Wohin, warum, wofür? Condorcet wäre eine Antwort: Fortschritt. Kein Telos, schlicht: Vorankommen. Leben. Reifen. Erwachsen. Über die Themen hinaus. Bis das Alter nicht mehr zählt, die Zahlen auf der Torte keine Angst mehr machen müssen. Ein erfülltes Leben, kein Alter. Wochen, Jahre, die voll waren. Weil die Tage genutzt, die Augenblicke gelebt wurden. Carpe diem. Noctem. Lebe. Erlebe. Sei zu groß für dein Zimmer, zu wild für das Abendbrot. Stulle mit Brot, jedes Mal die selbe Leier. Warten auf Lenz, das Leben ein Lenz, Faulpelz, der Optionen träumt. Sei doch groß, werde wichtig, atme, lebe. Nutze Tage und Nächte. Dein Leben ist kein Film, hör auf, nur zuzusehen. Sei du der Film.

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