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Facebook, obwohl es Freundschaften noch und nöcher promotet, fragt uns nur nach einem Beziehungsstatuts; unsere 46, 266, 1070 anderen Beziehungen interessieren Mark Zuckerberg nicht. Sicher, wir hätten wohl die Möglichkeit, diesen Freundschaftsbeziehungsstatut auszudrücken, indem wir unsere Facebook-Contacts von einer Kategorie /Enge Freunde/ in eine andere /Lose Bekannte/ verschieben, das gibt dem Status „kompliziert“ gleich ne konkrete Verortung. Genauso kann man das machen mit vermeintlichen Familienmitgliedern, die von /Family/ zu /Gegner/ auswandern.

 

Aber gilt dieser „Es ist kompliziert“-Status nicht oftmals gerade auch für Freundschaften? Wer hat schon Freunde, mit denen man nur Tatort guckt, über Wuttke und Thomalla streitet, sich nach den Münsteranern sehnt, aber darüber hinaus nichts miteinander teilt? Sind nicht irgendwie alle Beziehungen, die nicht-oberflächlich sind, auch irgendwie complicated? Eben weil die Menschen nicht einfach sind?

 

Freilich, die Grundidee, Freundschaften via Facebook-Status zu definieren, ist schon an sich eine murksige. Und es ist wohl auch kein guter Einfall, einer Beziehung, egal ob der einen Beziehung oder sämtlichen Freundschaften jeweils ein Label zuzuordnen, und das dann auch noch öffentlich. An der Oberfläche – insbesondere an der Oberfläche – mögen Beziehungen dynamisch erscheinen, wechselhaft, umstürmt. Was doch aber zählt, ist das Funderment. Mag ich meine Freundin, auch wenn wir uns verletzt, gezankt, gebissen haben? Hab‘ ich Sehnsucht, nach drei Wochen Funkstille? Geb‘ ich der Beziehung einen Daumen nach oben, oder isse mir egal? Wohl etwa so, wie die Menschen und die Beziehungen als solche kompliziert sind, mag die eigene Stellungnahme zu dieser Beziehung nicht immer einfach fallen. Mag ich dich, noch? Will ich das so, mit dir, mit uns? Und: Was geben wir dafür, wie viele Päckchen können wir tragen? Ikea-Einkäufe, Existenzängste, Lenz-Früste?

 

Manchmal, da muss man diese großen Antworten nicht geben; da reicht dieses freundschaftliche „Ja, ich will“ auch im Kleinformat, um zu merken, wie wichtig und schön, gerade weil kompliziert, so eine Freundschaft ist. Und manchmal, wenn man seit Stunden über den Zitationen eines Akademie-Textes hockt, weil man zuvor angenommen hat, man käme ohne Citavi zurecht (welch ein Trugschluss!), da liest sich dieses „Kleinformat“ besonders schön: „…mal liebe Grüße von mir an dich… thinking of you…that’s why 😉  Hab dich lieb“

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