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Die Jungle World artikelte kürzlich über die anstehende Gefahr, Pardon: den Trend des Normcore. Discounter-Mode würde ausgefeilte klamottale Ideen und Ausdrucks- und Lebeweisen wegfluten; am Ende bliebe Einheitsbrei auf der Haut, nie mehr Individualismus, nix mehr da mit Freiheit oder so.

Oh, wie hätte ich brechen mögen bei dem Artikel, und oh, wie sehr täte ich das auch heute, eine halbe Woche nach dem Lesen noch. Denn ganz ehrlich: Der vorauseilende Abgesang auf den Normcore ist doch scheiße, übersieht der gleichzeitige Lobgesang auf Mode doch, dass Mode eben nicht nur eine Geschmacksfrage ist, dass Mensch nicht unbedingt die Person ist, als die ersie sich kleidet. Wie schon beim Hype um den Minirock [revitalisiert in der Arte-Geburtstagsdoku für das Kleidungsstück, welches (sexuelle) Revolution – aber eben nur für hübschschlanke – gestattete] deutlich wurde, haftet Mode immer auch Ausschluss an. Nicht allein Präferenz bestimmt, was ich trage. Nein, neben Geld, Wohnort, Profession ist es eben auch mein Körper, der angibt, ob ich bei diesem oder jenen Trend mitspielen, ob ich Rockabilly sein darf oder bei Kik einkaufen muss.

Sicher, es gibt Spielraum, es gibt Nischen. Aber wenn ich, weil ich spastische Muskeln oder pummelige Knochen habe, zu klein oder viel zu groß bin, kann ich bei lieblich, trendy, aufeinander abgestimmt, passend oder ausgefallen nicht mal eben einfach so mitspielen, sondern muss durchaus auf den Zufall warten, der meinen Geschmack, Aktualität, Preis, Produktions-Fairness, Jobtauglichkeit und Mode (oder sowas) zusammen bringt. Da mag es trotzig sein, aber Hannes Soltau von der Jungle World möchte ich entgegnen, dass ich mich freue, auf diesen Nicht-Trend. Und mich dem Mitschwimmen in der unmodischen Masse (eine Formulierung Soltaus, die m.E. Feindsamkeit gegenüber dem einen, pummeligen Körper wie auch gegenüber zuvielen Menschen konnotiert) gern anders als durch Fashion entziehe.

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Ein Kommentar zu “Warten auf den Normcore-Trend

  1. Danke für deinen Beitrag. Spricht mir wirklich aus dem Herzen. Ich bin chronisch nicht in der Lage mich modisch zu kleiden, da mir dazu einfach… der Sinn fehlt. Zwar habe ich Präferenzen irgendwie auszusehen (oder vielmehr nach manchem nicht aussehen zu wollen), muss mir aber immer wieder unterstellen lassen ich trüge jene Frisur, weil ich A ausdrücken wolle oder was auf meinem (Second-Hand-) T-Shirt stehe sei ja irgendwie B. Und mit jenem Kleidungsstück, könne man sich doch nicht in C sehen lassen.

    Wenns nach mir ginge würde ich jetzt wo Sommer ist am liebsten überall im Unterhemd hingehen, in kurzen Hosen die eigentlich abgeschnittene lange sind, mir aber im Winter nicht passen.

    Ich achte seit frühester Jugend (ich glaub heute fängts eher in der Kindheit an) darauf dass möglichst viele Leute möglichst wenig an meinen Klamotten auszusetzen haben, da ich mir von da an immer wieder Dinge anhören musste, die ich nicht verstehe.

    Letztendlich: Klar kann Mode ein interessantes Thema sein und auch immer marginalisierten Gruppen als kostbares Instrument dienen. Aber Mode soll bitte nicht ausgrenzen. Und das tut sie leider ziemlich oft und ehrlich gesagt auch mit jedem Gespräch das über sie geführt wird

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