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Ich seh schon die Fratzen vor mir: Weihnachtsgesichter, die Geschenke karrend darüber klagen, am 24. Mutterns Gänsekeule schlucken zu müssen. Den Eltern das Vegan-Sein erklären, noch und nöcher und wieder einmal. Das weltfremd-herablassende Stöhnen darüber, dass in der Provinz noch immer Fleisch gefressen wird.
Und Stöhnen darüber, die Füße unter den Tisch der Alten stellen zu müssen. Dreitagelang Nettigkeiten mit der alten Tante tauschen, schon wieder das falsche Geschenk, und Frieda holt wieder das Spucktuch raus und kneift die knochigen Wangen zwischen ihren Wurstfingern fest. In den Augen der Sorglosen ist das die heilige Horrornacht: Weihnachten im Schoße der Familie.

Ihr kotzt mich alle so an, ihr mit Euren Luxusproblemen.

Zwei Monate, 8 Wochen, bevor es Weihnacht wurd, bist Du gestorben. Mausetot, von Oktober bis Dezember bis jetzt. Heute auch.

Ich steh im Ballsaal, Johlen und Gekeife und heile Welt. Ich könnte fröhlich sein, und mittanzen, ein Bier schon intus, zwei. Stattdessen schlucke ich: die Schuld: Sich freuen, weiterleben, das geht so nicht. Schluckschuld. Schuldschlucken. Das Funkeln der Tränenaugen konkurriert der Diskokugel. Drückt die Tränen nicht runter.

Es ist so unendlich viel schwerer. Ihr alle lacht und lebt und freut Euch. An Kleinigkeiten, an großen Dingen. Häusern, Abschlüssen, Babys. Ich hinke, auf die Startbahn geschubst, Betonschuhe und Asthma und Herzeleid. Ich soll trotzdem laufen. Und manchmal, wenn ich’s über die Ziellinie schaffe, grient ihr, und sagt: Na siehste, geht doch.

Ihr.Kotzt.Mich.Alle.So.An.

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