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Über meine eigene „erschreckende intellektuelle Wehrlosigkeit  gegenüber dem Islamismus“. Ein paar Überlegungen

Neulich. Im Internet. Da musste ich mich in 158 Kommentaren gegen zwei Trolle wehren, die meinten, die Pegida-Weisheit mit Löffeln inhaliert zu haben und demnach das Recht hätten, nun fleißig gegen „die anderen“ zu wettern. „Die anderen“, das sind nach den Anschlägen von Paris insbesondere die, die dem Islam angehören. Und dass es freilich nur einen Islam gäbe, das wurden sie nicht müde zu betonen.
Nun, die Troll-Kommentare würzten sich selbst mit Aggression gegen Geflüchtete, mit Parteinahme für das „deutsche Uns“, mit Beleidigungen gegen mich und jeder Menge Widerspruch in sich.
Und ich, was mache ich? Im angestrengten Anstrampeln gegen so viel Unsinn versuche ich, aus den beiden Pegida-Mündern zumindest ein Einsehen heraus zu pressen, nämlich dass es eben nicht nur den EINEN Islam gäbe, sondern dass vielmehr etliche Interpretationen möglich sind. Und dass diejenigen, die behaupten, die Anschläge in Paris wären im Namen des Islam geschehen, mit den Attentätern konform gingen. So sagt es ja auch XY – taz-Artikel.
Aber die Troll-Debatte bei Facebook ist schon zwei Tage her. Seitdem ist online eine Menge mehr passiert. Noch mehr Artikel, noch mehr Gedanken. Und ich frage mich: Habe ich den Islam, oder doch zumindest den Islamismus verharmlost? Dabei gibt es heutzutage doch zahlreiche menschenverachtende Islaminterpretationen.
 

Im Sommer war ich vorm Weißen Haus bei einer Kundgebung von Palästinensern dabei, eher zufällig und aus Versehen. Mir waren die Lautprotestierenden ziemlich suspekt, und ich hab’s vermieden, auf Touri-Fotos mit ihnen zu landen. Inhaltlich? Ich glaube, es ging gegen Israel, worum denn auch sonst? Ach, vielleicht um die Einforderung eigenen Rechts? Wer weiß das schon, das war alles so laut gegröhlt.

Ein paar Wochen später, wieder in Berlin, saß ich mit Soph im Grimm. Und Soph fordert, die lässt nicht locker. Ein Gespräch über unsere, vielmehr meine Position zu Israel und Palästina war lange überfällig.

Ob ich denn nicht auch das Leid im Gazastreifen anerkennen würde. Hm.

Wäre ich etwa bedingungslos Israel-solidarisch? Schulterzucken meinerseits.

Erklär doch mal. Aber anstatt zu brabbeln geh ich pullern.

So ist das immer bis oft. Israel, Palästina, Islam-Verteidigung versus … antimuslimischer Rassismus. Grad schwirrt mir der Kopf und ich fürchte, mich in all den Debatten nimmermehr auszukennen.

Vielleicht werden die Trolle deswegen zu Trollen? Weil sie müde werden, sich schlau zu machen im Angesicht von so viel Komplexem?

Aber ich mag nicht müde werden. Lieber notiere ich meine Fragen (siehe dieser Text). Und beim nächsten Mal im Grimm geh ich nicht wieder pullern. Versprochen, Soph.

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