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Auf der Suche nach einem süßen Valentinstags-Film? Ein paar Gründe, warum „Fifty Shades of Grey“ dabei eher salziges Popcorn ist

Joah, Valentinstag, Berlinale und die Veröffentlichung von „Fifty Shades of Grey“ – da kann man sich schon leicht unter Druck gesetzt fühlen, sich diesen wahnsinnig hochgelobten Schmachtfetzen mal anzusehen, zumal wenn alle Freundinnen, die Arbeitskolleginnen und Leute in der Uni ganz hibbelig sind, und seit Monaten auf die Leinwandversion von Christians und Annas Sexabenteuern warten. Das mag ja jedeR frei entscheiden, ob sie den Film ansieht. Hier sind trotzdem ein paar Bemerkungen zum Film „Fifty Shades of Grey“ – sozusagen ein Beipackzettel.

Merkmale, die typisch sind für eine Missbrauchsbeziehung:

  • Eifersucht und Besitzdenken
  • Sexuelle Gewalt
  • Verbale Beschimpfungen und Bloßstellen vor anderen, respektloses Verhalten vor anderen
  • Nicht zuhören, nicht antworten, wenn die Partnerin selbst spricht
  • Unvorhersehbares Temperament
  • Das Eigentum der Partnerin beschädigen oder zerstören
  • Kontrolle darüber ausüben, wohin die Partnerin geht, wen sie trifft

Und warum „Fifty Shades Of Grey“ der BDSM-Szene keinen Gefallen tut, sondern ein ziemlich schlechtes Licht auf sie wirft und somit für Nachahmer gefährlich ist?

Nun, grundsätzlich gelten bei BDSM ein paar Regeln: Der Sex soll sicher, zurechnungsfähig und einvernehmlich sein – Punkte, die in „Fifty Shades of Grey“ mehrfach missachtet werden – hier ein paar Beispiele:

  • Sicher? Christian Grey macht Annas Handy ausfindig, er geht ihr nach und stöbert sie in einem Club auf. Er bring sie nach Hause, als sie bereits betrunken ist, zieht sie aus, als sie schon so benommen ist, dass sie sich später nicht mehr dran erinnert und teilt ihr mit, dass er sie – angeblich zu ihrem Nutzen – weiterhin kontrollieren wird. Das allerdings stellt nicht das Verhalten eines respektablen Masters dar, sondern ist stattdessen das Verhalten eines machthungrigen, missbräuchlichen Arschlochs, der auf ein „Nein“ als Antwort einen Dreck gibt.
  • Zurechnungsfähig? Einer der wichtigsten Aspekte bei BDSM ist Nachsorge. Es kann zu extrem traumatisierenden und intensiven Situationen kommen für diejenige Person, die sich unterordnet. Dabei kann Nachsorgen ne ganze Menge bedeuten: Petting, Kuscheln, Umarmen, nette Worte – was auch immer die Person braucht, um wieder aus der Rolle zu finden. Und wie kümmert sich Christian hinterher um Anna? Er überredet Anna zu einer traumatisierenden ersten Spanking-Erfahrung und verschwindet danach einfach. Anschließend flippt er aus, weil sie ihm nicht sagte, dass sie aufgewühlt war. Dabei ist er derjenige, der’s besser wissen müsste (weil er hier der Erfahrenere ist)! Wieder ein Zeichen, dass Christian kein respektvoller Master ist sondern schlicht ein egoistischer, Anna-missbrauchender Kerl.
  • Einvernehmlich? Anna sagt das Safeword, und Christian macht einfach weiter? NO WAY! Dass er ihr einen Vertrag zur Unterzeichnung gibt, macht das auch nicht wieder gut – gerade BDSM setzt auf vielen Ebenen Vertrauen und Gespräche voraus. Mit einem einzigen Vertrag ist das nicht erledigt – zumal, wenn Christian sich hier wiederholt über Annas „Nein“ hinwegsetzt.

Wer den Film jetzt immer noch sehen will, das Buch weiterhin kritiklos lobt und sich sodann auf den Weg in den Baumarkt machen will … nun: Viel Glück. Wer sich hingegen tiefergehender mit Kritik am Film befassen will, kann diese (englischsprachigen) Seiten nutzen (mein Text ist eine grobe Übersetzung der beiden verlinkten Seiten): Eine Rezension zum Film und die oben besprochenen BDSM-Grundsätze in Bezug auf FSoG

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