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Das ist quasi mein Thema: 1917, plus-minus ein paar Jahre.

It’s official: meine fetischisierende Neigung für Bibliotheken hat ein neues, extremes Lieblingsobjekt: das IKMZ in Golm. Fensterwände wie Sandstrände groß, eine menschenleere Ruhe, wie die schlauste Antischnarch-OP sie nicht kreieren könnte, paradiesische … Moment, wie bitte können „Golm“ und „Paradies“ auch nur annähernd in denselben Satz rutschen? Wie können sie überhaupt zusammen auf der gleichen Festplatte gespeichert sein? Golm, das ist doch Matsch-Brachland. In Golm, da war doch vor grad mal 17 Semestern noch Dschungel. Und überhaupt: G-o-l-m!!!

Golm. Es hört nicht auf, dass mir, jedes Mal, wenn ich das Wort G-o-l-m denke oder sage oder ausspreche oder schreibe ein kleiner Gollum von der Kehle hüpft. Klein und gebeugt, grau-schleimig, wie wir ihn von Tolkien beschrieben bekommen haben, sitzt er hinten in meinem Kehlkopf und nimmt Anlauf. Er wetzt sich im Husten- Dreck meines Rachens die Hinterbeine, und springt los. Gol-m. Zwischen den beiden Schlusskonsonanten springt er empor, dann die Zunge hinunter, über den klaffenden Abgrund zwischen l und m hinweg und purzelt mir aus dem Mund. Und mit ihm liegt da dann dieses G-o-l-m in den konsonantischen Abgründen der Wortsuppen, die den Campus bevölkern. Seminarbrocken, Matschepampe-Referate und Klotz-Kommis, alle liegen sie um die Hörsäle herum gekleckert wie die Kaffeeflecken, die zuhause meinen Küchenboden mustern.

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Im IKMZ ist mehr als nur die Sonne sauber!

Und da ist sie, die einzige Erklärung und ehrliche Offenbarung, weswegen ich Bibliotheken im Allgemeinen den eigenen 4 Wänden vorziehe. –n muss: Das Chaos. Der Schmutz. Man kann noch so viele Papierstäpelchen im Wohnzimmer und aufm Klo drapieren, irgendwann gewinnen Staubflusen und Popcorn und Mateflaschen doch die Oberhoheit. Dann wird aus genialem Chaos doch irgendwann nur: Un-Ordnung.

Ich also. Bin vor zwei Jahren, als ich doch noch zu studieren angefangen habe (entgegen meinen Genen: ordentlich zu studieren begonnen habe), quasi in die Bib gezogen. Mein neues Wohnzimmer habe ich mir meistens mit den anderen Wohnungslosen im Grimmzentrum geteilt. Aber jetzt, jetzt hält der Luxus Einzug: Golm. Genauestens gesagt bewohne ich jetzt die zweite und die dritte Etage des IKMZ. Das steht für: Ihre-Königliche-Maja-Zuhause. Die Bibliothek in Golm heißt also, wie irgendwann der ganze Campus und dann die ganze Universität heißen wird: MajaSchwarz-Campus-Universität. Man könnte meinen, der Titel „Uni-Namensgeberin“ (inklusive Wikipedia-Eintrag, den man nicht selbst schreiben musste) wird automatisch an diejenigen verliehen, die am allerlängsten vor den Toren des Ohne-Sorgen-Parks studiert haben. Aber das täte meinen Ego nicht gut, hier von einem solchen Automatismus auszugehen. Den Arsch plattsitzen und einfach die 32 Semester abwarten, das kann schließlich jede. Nee, ich will das auch schon mit meinen Leistungen in Verbindung gebracht wissen.

Apropos Leistungen, apropos Wissen: heute Morgen war ich doch um 9 schon in der Uni, um eine Klausur nach-zu- schreiben. [Memo an alle: beim Erstversuch war ich krank, ich bin nicht durchgefallen, Ihr Banausen.] Nun, sitze also um 9 mit Jenna und Frances in der Cafeteria und lese nochmal in der Altklausur, löffle in meinem Kakao, gehe die Klausur schreiben (die nicht die erwartete Altklausur ist, sondern 23 völlig neue Fragen beantwortet haben will), und tröste mich damit, nach 14 Wochen Semester jetzt endlich mal den Dozenten zu sehen zu kriegen. Der war Montagmorgen immer so schwer zu erkennen; meine Augen waren um 8 für solcherlei Sehfähigkeit noch nicht … offen genug. (Aber die Augenoptiker-Meisterin soll mir mal einer zeigen, die Sehhilfen baut, die durch Schlafzimmerwände direkt in den Hörsaal gucken können!)

Naja, schreibe die Klausur, und … bin eine Stunde früher fertig als gedacht (war so ne Babyfitzelleichte Statistik-Klausur). Is also erst um 11, zu früh für die Mensa. Geh ich mich also an die Hausarbeit setzen und … setze zum ersten Mal meinen Fuß ins IKMZ!

Haben se schön gebaut, mir ganz würdig. Schaffe tatsächlich auch eine halbe Seite Geschwafel (es ist ja nur Fachdidaktik), stelle mir selbst pünktlich um 12 Uhr die Mittagsfrage, lungere mit dem schlechtesten Mensaessen EVER (= of all times!) im kalten Halbschatten draußen vor der Mensa rum und schreib danach noch weitere 3 Stunden (dass Fachdidaktik auch immer so umfänglich sein will!). Irgendwann nachmittags ist dann Seminar. Momentan ist ja immer Seminar. Nicht, dass schon wieder Semester wäre, aber grad ist Vorbereitungsmarathon für’s Praxissemester (wer keine Ahnung hat: Praxissemester ist der Teil des Referendariats, in dem man ohne Lohnausgleich extra viel Unterrichtsbesuche wuppen darf!).

Also Vorbereitungswoche, also: ganz viel dröge lahme Lahmheit. So mitten im Kurs, eingepfercht in einen fensterlosen Hörsaal (MajaSchwarz völlig unwürdig!) dreht sich die Dozentin eben weg (die sind immer so Lehrer-haft, diese Fachdidaktik-Muttis, da muss man auf der Hut sein und darf nicht laut zwischenquatschen), und ich wittere meine Chance. Schiele also zu meiner Nachbarin und deren Nachbarin und frag sie, ob sie kurz bestätigen können, dass meine neue Lieblingsbibliothek auch wirklich bis um 22 Uhr offen hat. Frag das, da isses schon um 6, und ich bin seit 9 Stunden da, am Campus, in Matschepampe-Grad-noch-Dschungel-G-o-l-m. Ich ernte also ungläubige Blicke („Hast Du etwa morgen ne Abgabe?“), auf die ich janz schön stolz in mich hinein feixe: ich bin doch kein Bummelstudent, ick bin Streber.

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Noch weiß keiner, dass in Gom jetzt auch ein REWE ist. Das IKMZ ganz für mich allein!

Sag das, schlendere vom Hörsaal rüber in den REWE (Gol-m hat jetzt auch nicht nur keinen Dschungel, sondern auch Infrastruktur!), kaufe Humus mit extra Knoblauch zum Abendbrot (im Grimm braucht man das, den Knoblauch!) Aber der Knoblauch, der war gar nicht nötig, ich bin auch so fast allein, nur ich und eine andere, und noch wer, der da arbeitet, und der Wachmann. Ansonsten ist das IKMZ (Ihre-Königliche-Maja-Zuhause) ganz für mich alleine da. Für mich, und die Fachdidaktik.

Leute, ich sag’s Euch: als nächstes ziehe ich von Golm ans Palais und dann ins Schloss!

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