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Boah ey, Münkler und Baberowski und der ganze Kram. Kocht ja im Moment ziemlich hoch. Aber es braucht keine komplette Analyse des Diskurses, um einige Punkte an der Kritik der Kritik als das zu entlarven, was sie sind: unsolidarischer Mist, der Macht reproduziert und sich auf die Gegenseite der Kreativen schlägt. Besonders exemplarisch wird das an einem Artikel deutlich, der am 17. Mai 2015 in der Faz erschienen ist, und den ich hier auseinandernehme. Das ist keine Parteinahme für oder gegen Münkler oder Münkler-Watch. Das ist allein der Versuch, ein paar generelle Schwachstellen des Faz-Artikels zu entlarven. Ganz wertfrei, ganz sachte.

[Vorneweg: ich fand-finde Münkler an sich ganz spannend und bin mal wie ein Groupie zu einem Vortrag Baberowskis gefahren, weil der mal was über Foucault und den Sinn der Geschichte veröffentlicht hat.]

Hier nun Auszüge aus dem Artikel: „Attacken an Humboldt-Uni Unser Professor, der Rassist“ aus der Faz vom 17.Mai 2015. Plus Kommentar.

„Die Humboldt-Universität zu Berlin strebt aus guten Gründen an, nicht als Nazi-Hochburg zu gelten. Doch seit einiger Zeit werden Professoren, die dort lehren, als Rassisten, Faschisten und/oder Kolonialverbrecherverehrer entlarvt, …“

  • Als ob nur Nazis Rassisten, Faschisten und/oder Kolonialverbrecher-Verehrer wären. (Viel öfter isses doch so, dass man – mindestens – eins dieser Kriterien erfüllt, aber dennoch noch als Mitte der Gesellschaft bezeichnet wird.)

„Nicht, weil dort wirklich Rassisten lehren würden.“

  • Mensch muss nicht Rassist sein, um rassistische Dinge zu sagen oder zu tun. (Viel öfter isses doch so, dass man den Vorwurf, einer zu sein, explizit von sich wirft, um dann anzusetzen: „Ich habe ja nichts gegen …, ABER …!“ Klar, Rassist ist man vielleicht nicht unbedingt, aber so ein Satz geht seltenst mit Solidaritätsbekundungen für (vermeintlich) Schwächere weiter.

„Journalisten stürzten sich fleißig auf die Vorwürfe und fanden jedes Mal nichts.“

  • Einfacher Taschenspielertrick. Ich seh auch nie irgendwo Schmutz oder Chaos, wenn’s Hasi meint, wir sollten mal putzen oder aufräumen. Einfach die Perspektive ändern, Augen zukneifen, und schon spar ich mir zwei Stunden Hausarbeit. Oder die selbst-kritische Auseinandersetzung mit dem Vorwurf, mein Handeln oder meine Sprache seien rassistisch.

„Münkler ein Rassist – das hält er für Unfug. Der Pressereferent stammt aus Senegal.“

  • Ach, dann ist ja plötzlich doch alles gut, so mit nem Persilschein. *Puh*

„Die Angst ist so groß, weil die Angreifer sich jederzeit ein neues Ziel suchen können. Und weil man ihnen nicht entgegentreten kann, … .“

  • Liest sich wie ein Transfer von Münklers Untersuchung zu sogenannten asymmetrischen Kriegen auf den Kontext der aktuellen Kritik an seiner Person. Die Guerillakämpfer (sprich: die BloggerInnen) sind unvorhersehbar, sie kämpfen wie die Partisanen, halten sich nicht an die Tischregeln, die einem sagen, wie so ein Duell zu führen wäre. Wie, als hätte man ihnen die Teilnahme am Galaessen bisher nur aus der Perspektive des Katzentisches gewährt, und beschwert sich nun, dass die Etikette nicht beachtet wird. Die Professoren, bei denen unhinterfragt bleibt, warum sie es, neben einer Prise eigener Leistung, zum Professor gebracht haben, fordern ein, dass nach ihren Regeln zu spielen sei. Dem Widerstand, den Ausdrucksformen der bloggenden Partisanenkämpfer wollen sie sich nicht ergeben, weil das neue Spielregeln bedeuten würde.

„Ein hoch anerkannter Geschichtsprofessor wurde Ende 2014 verdächtigt, er relativiere Hitler.“

  • Das ist ja die Krux: man kann hoch anerkannt sein, und trotzdem ollen Unsinn denken. Oder Nazi sein. So mal ganz generell überlegt.

„Eine Vorlesung braucht zwei Stunden, ein Shitstorm zwei Sätze.“

  • Nanana, mal nicht über’s Ziel hinaus klettern. Ein Shitstorm aus nur zwei Sätzen wäre ein laues Lüftchen, und kein Sturm. Per definitionem braucht es da schon einige Kommentare mehr.

„Münklers Angebot, mit ihnen auf einem Podium zu diskutieren, schlugen sie aus.“

  • Wieder die Frage, nach wessen Regeln gespielt wird: denen der klassischen, staatlich-stattlichen Armee (im übertragenen Sinne eben: der Professoren) oder eben nach den Regeln der Guerilla-Blogger? Und hat Münkler seinerseits nicht auch hier und da UnterstützerInnen, die da und dort einen Kommentar streuen, in einem Radiobeitrag, und so eine Breitenwirkung durch Dezentralisierung ermöglicht?

„Die Universität setze das Ethos des Dialogs voraus.“

  • Wenn die am Katzentisch nicht mitspielen dürfen, scheint mir das eine sehr enge Definition von „Dialog“ zu sein.

„Der Professor sieht Universitäten „da nicht gerade in einer Position der Stärke“. Er klingt vollkommen ratlos.“

  • Da bin ich grade auch ratlos.

„Es ist der Historiker Jörg Baberowski, Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie „Sachbuch/Essayistik“ 2012, Lehrstuhl an der Humboldt-Universität seit mehr als zwölf Jahren.“

  • Diese Entschuldigung an sich entschuldigt jetzt nicht unbedingt was. Grass wurde auch über Dekaden hinweg im Deutschunterricht rangenommen, und am Ende ist ihm trotzdem die Tinte sauer geworden.

„Brinkmann und Baberowski haben beide den Eindruck, dass an bestimmten Aktionen Leute „von außen“ teilnehmen, die gar keine Studenten sind.“

  • Da zeigt sich doch wieder, welche Regeln beherrscht werden müssen, um ernst genommen zu werden. Wer keinen akademischen Grad hat, darf nicht mitspielen, in diesem asymmetrischen Krieg der Worte? „Die da draußen“ gegen das „wir“ im Innern? Boah, bis einer heult!
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