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Eine alleinreisende Frau, die in Berlin strandet, Party macht, Drogen nimmt und am Ende – Sorry, Spoiler – mit knapp 50000 Euro den Nachwehen eines Bankraubs entgeht, nachdem just eben der Typ, in den sie sich vor zwei Stunden noch verliebt hatte, wegen ner Schussverletzung drauf gegangen ist. Das in etwa ist die Kurzfassung von Victoria, dem Film, der grade so gehypt wird, weil: in einem Shot gedreht. Echtzeit, ganz großes Kino.

Von wegen! Mich hat ja ein Film selten so wütend gemacht wie diese 138 Minuten Überlänge-Zeitverschwendung. Eine – obwohl ungeschminkt-unschön – semi-spannende Frau, die mit den falschen Typen abhängt – Vorsicht: Klassismus-Falle – die am Musikstudium gescheitert ist, und deswegen eine Nacht lang Gangster spielt, zusammen mit 3 Typen in tiefsitzenden Adidas-Jogginghosen. Die Kacke kostet 3 Typen das Leben, yeah! Was für’s eigene Dasein mitgenommen, wenn man nach zweieinhalb-zuviel Stunden wieder aus dem Kino darf. Jungs dabei zusehen, wie sie ins Stammeln geraten, weil da plötzlich ne Frau auftaucht, die ihnen ne Nummer zu groß ist, die sich aber doch auf sie herablässt. Und am Ende die Schlauere ist, weil sie mit dem Geld entkommt. Blabla, gequirlte Kacke!

Von den „Früchten des Zorns“ gibt es dieses wunderbare Lied, in dem der Sänger uns immer wieder fragt, ob wir uns den Film über unser Leben, wenn es ihn denn gäbe, ansehen würden. Nun, die scheiß-öde Party, die Victoria besucht, das versaute Leben, weil’s am Konsortium mit dem Klavier nicht geklappt hat, war allein wohl nicht filmreif genug, deswegen müssen am Ende ein Bankraub und Waffen her, eine Schießerei im Wohngebiet, zu dumme Polizisten, der Lover, der drauf geht, die kaltherzige Frau – erst Auto-fahrende Kümmerin, dann Caretakerin in der Rolle der Ambulanz-Ruferin – die sich am Ende doch für das sichere, doch noch geglückte Leben zurück in Spanien oder irgendwo, wo die Polizei sie nicht kennt, entscheidet, als wäre das der alles entscheidende, feminismusgeschwängerte Befreiungsschlag.

Dabei war’s, trotz One-Shot-was-auch-immer-Technik, ein lausiger Film, so schlecht, wie die Selfies, die alle unentwegt machen. Dieses Nah-Dran-Sein, der Tabubruch der bewegten Kameraführung, die mich wohl strapazieren soll, während die Kinositze im Kino International eh schon stressigdollunbequem sind. Und ewiges Stroboskop-Licht am Anfang, das nehm ich auch dem sonst wunderbaren Lars Eidinger krumm, auch wenn sich Victoria dann super süß die Haare zusammen bindet, und so cool ist, auf dem Clubklo dann doch gar nicht pullern zu müssen. Yeah! Aber da passieren die ganze Zeit Nichtigkeiten, so groß und aufgebauscht wie Foodporn und Katzenbilder, weil Ohne-Filter-One-Shot. Yeah … Well, I’m not impressed. Viel eher ziemlich enttäuscht, weil, was gut hätte werden können – irgendwas hat mich ja doch gehalten und im Sessel sitzen lassen – brauchte am Ende die Gewalt, um den Spannungsbogen zu halten. Irgendwie – ist mir das zu billig, (hoffentlich) zu weit weg. Und ich wünsche mir, ganz ganz doll, dass das Leben, um filmreif zu sein, ohne diesen einfältig-gewaltvollen Spannungsbogen auskommen möge. (Und auch ohne das Unbehagen, das mich im ersten Drittel des Films nicht los ließ, weil der Spannungsbogen von Victorias Leben glaubte, auf die Androhung von Übergriffen nicht verzichten zu können.)

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3 Kommentare zu “Eine überlange Zeitvergeudung: Victoria

  1. Hm. Interessant mal eine negative Kritik über den Film zu hören. Ich habe darüber in diversen Zeitschriften gelesen und von meinen Eltern gehört, die ihn sich (vor allem aufgrund der Musik) angeschaut hatten. Und ich selber wäre fast diese Woche auch mal gucken gegangen, wie diese One-Shot-Einmaligkeit so ist. Hat dann doch nicht geklappt, aber ich werde das auf jeden Fall nachholen, um mir meinen eigenen Eindruck zu machen. Ich kann mich ja hinterher noch ärgern, dass ich meine Zeit verschwendet habe. 😉
    xxx

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