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Die Mädchen in John Greens Romanen sind oft wie Katzen: immer unterwegs, ihr eigener Herr, stromern herum, ohne Rechenschaft abzulegen. Das setzt der großartige Mr. Green in seinen Geschichten freilich jedes Mal auf andere, phantastische Weise um – Alaska beispielsweise verschwindet und verstummt ultimativ, während Miles Halter, der sich eben noch mit Alaska angefreundet hatte, nun im Suchmodus erstarrt; immerzu ist er Looking for Alaska und kann sie doch nicht finden.

Nicht ganz so dramatischt begibt sich Quentin auf Margos Spuren, und ganz ehrlich, an diesem Buch scheint vieles das genaue Gegenteil von dramatisch zu sein. Manchmal, da wirkt es nämlich fast beißend langweilig, dass Quentin schon wieder einer falschen Fährte gefolgt ist, dass hier kein Verbrechen geschehen und auch kein Mörder zu fassen ist. Der Eindruck wird laut, dass in diesem Buch nixnixnix passiert. Aber Margos Spuren ist auch kein Thriller, keine Lovestory. Denn Margos Spuren ist viel mehr als das.

Im Buch, wohl ähnlich wie im Film, der grade gestartet ist, geht es um Margo, die verschwindet, ausreißt und nicht wiederkommen will, und um Quentin, der lernen muss, zu unterscheiden, ob er eigentlich grade Margo selbst oder nur die Margo, die lediglich in seiner Fantasie existiert, wiederfinden will.

Jetzt kann man einwenden, dass John Green ein Typ ist, wieder mal ein Kerl, der mit Büchern Geld verdient, der über Jungs und Mädchen schreibt, und einer Autorin den Platz stiehlt, die nun nicht gehört wird, aber eigentlich viel besser über Mädchen und Jungs erzählen könnte.

Aber: Das Buch ist eine wunderbare Reflexion eines Jungen darüber, wie er seine Freundin sieht. Margo ist nicht die Margo, die Quentin gerne hätte; Margo ist immer irgendwie ganz anders, und gar nicht immer dieselbe. Margo verändert sich, ist im Fluss, ganz ähnlich wie Quentin. In diesem Sinne ist „Margos Spuren“ zwar von nem Typen geschrieben, bringt aber eine gehörige Portion Gespür für einen weiblichen Blick auf Mädchen und Frauen mit. Quentins Auffassung darüber, wie Margo denn zu sein hätte, steht nicht als unumstößlich wahr dar. Stattdessen lernt Quentin, dass Margo nicht in die engen Schubladen passt, in die er sie vielleicht zunächst hatte stecken wollen. Das ist irgendwie eine wunderbare Kritik an der vermeintlichen Unverrückbarkeit von Identitäten. Und so ist Margos Spuren dann doch irgendwie ein Thriller und eine Lovestory. Nur gibt es keinen Mord und keinen Mörder, es explodieren in diesem Road Trip keine Autos, und Margo geht mit Quentin nicht zum Abschlussball. Genau deswegen ist das Buch aber auch so toll. Eine unbedingte Empfehlung!

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