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Achtung, für den nun folgenden Einleitungssatz gilt folgender Hinweis: als innere Betonung ist beim Lesen der American-Pie-Satz „Und einmal, im Ferienlager … „ abzuspulen. Leise, verwegen und mehrfach.

Nun, hier also der Einleitungssatz: Und gestern, im Forschungskolloquium … wäre ich gern jauchzend in einen Zollstock gerannt, hätte mir einen Kullerkeks kaufen und die Ecken abbeißen wollen, das Nägelkauen an den Zehen angewöhnen wollen und die Anzahl der üblichen Therapie-Sitzungen gern von einer auf ein-tausend erhöht. SO schlimm war’s, dass ich gestern nicht mal was dazu posten konnte. Was also ist passiert? Ein minutiöser Bericht meines Leidens. Setzt Euch, schnallt Euch an, reißt die Schoki auf: es wird arg!

Frau P(rofessorin) hat meinen Namen vergessen! Vier Seminare, zwei Hausarbeiten, etliche extra-curriculare Veranstaltungen, etliches Ihr-Hinterher-Gesabbere und Frau P. fragt doch glatt: „Ihr Name war doch gleich?“ Und dann, zwei Stunden später, als sie unseren just eben ausgemachten Termin NACH HINTEN verschiebt, steht da: Sehr geehrte Frau Schwarz! Nicht: L-i-e-b-e Frau Schwarz.

Dabei waren wir doch fast per Du, hatte sie mir die Rückerwiderung ihrer Gefühle, die Reziprokivität meiner Hingabe, doch schon in einer 1-Komma-Note beSCHEINIGT (oder, wie das für uns Potsdamer wohl heißen würde: bePULSigt.) Und nun das: „Sehr geehrte Frau Schwarz“. Unsensible Machos mögen denken: Kleinigkeit, PillePalle, drauf geschissen. Nun, ich sage, und alle Psychologie und Hirnforschung pflichtet mir bei: Mikroaggression.

Ich gehe also schlaksig leidend in die Bib, setze mich an den Rechner, und zwei abendliche Stunden vergehen, die ich dafür hingebe, eine Textstelle bei Peter Ullrich zu suchen, die ich als Ausgangspunkt meiner Arbeit ausgemacht hatte. Aber, Himmel hilf: ich-finde-sie-nicht. Mein Kopf knallt auf die Tischplatte, ich will weinen, drucke stattdessen aber mehrere Texte aus. Soll ja trösten, die frischbedruckte Materialität theoretischer Ideen kann zuweilen sehr heilsam sein. Nun, nicht in diesem Fall: der ganze Scheiß kommt im Querformat, also unlesbar, aus dem Kack-Drucker. 4 Euro weniger auf der Mensa-Card.

Im Anschluss verpasse ich die S-Bahn (30 Minuten Wartezeit in Griebnitzsee ://). Ich überlege, ob ich heulen will, entscheide mich dagegen, und sabbere nur unhörbar in meinen Schal. Gott sei Dank ist es kalt genug, für eine Menge Speichel-Schal.

Warum aber all der Gnatz, warum das gebrochene Herz, die schlechte Laune, die Bibliotheks-Depression? Nun, der Mutti-Komplex: Frau P(rofessorin) ist wie eine Mutter für mich: anhimmelnswert über alle Maßen, aber unerreichbar und launisch wie Sau. Mich bekochend den einen Moment, wild fuchtig keifend im nächsten. Oder, im akademischen Rahmen: Eine 1-Komma in einer Arbeit, eine vernichtende 2,7 in der nächsten. Und ich, ich bin das kleine, arme Unschuldslamm, das nicht weiß, wie ihm geschieht. Völlig abhängig von Anerkennung und Missachtung.

Mir-selbst-sei-Dank bin ich aber Meisterin der Dekonstruktion. Das Narrativ, in dem Frau P. meiner Mutti ähnelt, rekonstruiere ich. Mutti ist jetzt nur noch Kindergärtnerin. Und das Forschungskolloquium: die akademische Krabbelgruppe, in die wir alle unsere Babies (=Masterarbeiten) schleppen, sie einander vorführen, stolz damit prahlen, wie unsere Kapitel schon laufen können (sprich: ob wir schon ein Exposé hingekriegt haben), ob sie schon trocken sind (=ein Inhaltsverzeichnis haben), oder ob die scheiß Racker vielleicht immer noch nicht durchschlafen (= geniale Ideen, die nachts, kurz vorm Einschlafen antraben. Und durchdacht werden wollen, bis zum bitteren Ende. Oder wahlweise bis zum Weckerklingeln um halb 7.)

Dabei freilich ist eine Masterarbeits-Mutti (die wir ja alle sind) hämischer als die nächste: wir reden nicht miteinander, wir lächeln nur, und sagen: „DAS konnte meiner aber schon mit zwei.“ Oder Anderthalb. Whatever.

Heute Abend keine MA, die ich ab sofort, weil sie ja mein Baby ist, liebevoll E-M-M-A nennen werde. Mehr Ergüsse sind derzeit von mir nicht erwartbar. Sage ich so, und schaue die nächste Folge „Pretty Little Liars“. Anti-Akademie, juchhee!

 

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Ein Kommentar zu “Forschungskolloquium my love

  1. Mein Mann, schmeißt sich gerade weg vor Lachen. Nicht zuletzt weil er gerade aus einer Sprechstunde kommt und dekonstruiert.
    Deine Art zu schreiben ist fantastisch! Danke!

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