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Mein erstes Mal „Beissreflexe“ lesen. Und ich bin gleich ziemlich enttäuscht.

So, maybe I’m not a feminist after all. Zumindest habe ich nicht den blassesten Schimmer, von wem Caroline A. Sosat in ihrem Beitrag im „Beißreflexe“-Band da eigentlich spricht, wenn sie in einem Zu immer von „betroffenheitsfeministischen Gruppen“ spricht. Das erinnert mich an mich selbst, beim Versuch, den Babyboy in den Schlaf zu singen: weil mir der Rest des Liedes nicht einfallen will, wiederhole ich ein und dieselbe Textzeile immer und immer wieder. Das geht dann immer stundenlang so.

 

Bei Sosat geht das ganze 16 Aufsatzseiten so. Immer wieder nennt sie die Betroffenheitsfeministinnen. Wer das allerdings sein soll, das sagt sie nicht. Ist nun meine Lesart ihres Beitrags – ich habe „Beißreflexe“ aufgeschlagen und wahllos den erst“besten“ Beitrag gelesen – unakademisch, oder verfolgt sie gar nicht den Anspruch, belastbare Behauptungen zu formulieren? Vielleicht, vielleicht gibt es ja irgendwo in den „Beißreflexen“ ein Glossar, das erklärt, wer diese ominösen betroffenheitsfeministischen, opferkultigen Gruppen denn eigentlich sind. Vielleicht habe ich das beim Stöbern einfach nur noch nicht gefunden.

 

Ich stapfe also im Dunkeln. Meint sie die Emma-Leser? Die vom Missy Magazine? Die, die PoCo in der Uni mit dem Löffel gefressen haben, und sich jetzt für MoonCups stark machen? Ich weiß es nicht, ehrlich nicht. Vielleicht bin ich nicht nur zu unakademisch, sondern auch nicht Hipster genug, um nachvollziehen zu können, von wem Sosat da so eigentlich spricht. Seriously: irgendwann hatte ich das Gefühl, dass dieser Clickbait sich nicht mehr auflösen wird, und Sosat nicht preisgeben wird, von wem sie da eigentlich redet.

 

Es hätte ihr, bzw. ihrem Artikel meiner Meinung nach nämlich gut getan, wenn sie mit Beispielen argumentiert hätte. „Die und die Gruppe, nahm dann und dort zu dem und dem Stellung.“ So aber bleibt das alles ziemlich nebulös. Und vage. Ich habe kein klareres Bild der queerpolitischen (Berliner?) Szene als vor der Lektüre. Ergo fühle ich mich: doof.

 

Aber eigentlich ist das doch ganz nett, mal über Gefühle und Emotionen zu reden. Sich mal richtig auszukotzen. Kein zweites Nachdenken, einfach ganz impulsiv alles den anderen vor die Schuhe zu rotzen. Das tun diese betroffenheitsfeministischen Opferli-Feministinnen nämlich. Findet Sosat. Und schmeißt da so Brocken in den Raum wie „empfunden“, „Trotz“, „Pseudo-„, „Amateurinnen“, „Primat“, „unreflektiert“, „unreif“. Eventuell sind das ja alles Wörter aus dem Psychologiestudium, nice, nice, dieses Intro. Und ich sage bewusst: Intro, und nicht „Name-Dropping“, weil ich durch Essays wie den von Sosat bspw. gerne mal auf neue Themen geleitet werden. Ihr Exkurs zu Psychologie der Kränkung des Frauseins und der daraus möglicherweise resultierenden seltsamen Ambivalenz zum Intellektualismus finde ich ganz spannend, das erklärt alle meine zwischenmenschlichen Beziehungen, dazu will ich mehr lesen. (Und am liebsten ein Comic zu meiner Recherche zu psychoanalytischen Themen zeichnen, so wie Alison Bechdel 😉 )

 

Aber mein Bauchgefühl mit Sosats Beitrag bleibt von Unbehagen geleitet. Abwehr? Mag sein. Aber ich wünsche mir nun mal, dass die Autorin bspw. offen legt, woher sie das Wissen um „gruppeninterne Narrative“ hat (S. 68). Ich will wissen, ob Betroffenheitsfeminismus immer in Gruppen aufkommt, oder wie das mit Feministinnen wie mir ist, die ihr Ding alleine rocken. Wieso spricht Sosat von „dem“ Unmut im Singular? Wieso verortet sie nicht, wieso grenzt sie zeitlich nicht ein? Zum Beispiel als sie auf die Geschichte feministischer Gruppen eingeht. I am lost. Are we talking about Berlin? The world? I don’t know, and Sosat doesn’t tell me. Stattdessen bleibt Sosats Deskription der “Szene” ziemlich im Unklaren. Aus Angst? Aus Verallgemeinerung? Schon wieder denke ich an mich, diesmal daran, wie ich im Studium die meisten meiner Unterrichtsportfolios gefälscht habe: anstatt einen halbwegs wahrheitsgetreuen Bericht über erteilten Unterricht zu formulieren, habe ich mir die Szenarien und Schülis in der Erinnerung zurecht gebastelt, zugeschnitten auf meine theoretischen Bedürfnisse. I am not suggesting that this is what Sosat does, but …

 

… ich hoffe, die anderen Beiträge im “Beißreflexe”-Band sind etwas weniger … wenig.

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