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Ich war doch im Urlaub. Nein, nicht erst letztes Wochenende (obwohl, da auch ein bisschen), sondern schon im Sommer. Viel Zeit zu lesen, und viele, viele tolle Bücher in der Bibliothek der Tauschfamilie. Erfreulicherweise auch etliche eines meiner Lieblingsautoren: Ian McEwan (keine Sorge, trotz dieses affirmativen Fantums würde ich mein Kind nie (NIE!) IEH-EN nennen. Das macht man außerhalb von UK oder Amerika bitte nicht.)
Anyway. Nutshell. Nutshell ist, wie die meisten anderen Bücher, die ich von McEwan bisher gelesen habe (The Children Act, On Chesil Beach, Abbitte, …) toll. Und diesmal ist die Erzählperspektive besonders gewitzt: der Narrator ist noch gar nicht geboren, wie lesen von ihm, wie er noch in utero wohnt, aber schon gleich Zeuge am Mord seines Vaters wird. Da kann man jetzt mal kurz „Hamlet“ denken, und hat nicht Unrecht: McEwan ist so etwa der Shakespeare der heutigen Zeit. Seine Vatermord-Sohn-Reflexion-Story ist großes Kino; der junge Bauchbewohner hat eine klug formulierte Mischung aus passioniertem Weltwissen und kindlicher, nein: fetaler Naivität.

Das alles liest sich zackig, ist vielleicht nicht direkt in der Schwangerschaft, aber doch vorm 1. Geburtstag (also mit noch hinreichend viel Oxsydingens im Blut) gut verdaulich und lässt die Liebe zum Autor nur noch größer werden.
Der Plot: ist schnell erzählt, auch kommt es zu einem befriedigenden Ausgang, das Ende ist demnach nicht unangenehm offen. Aber was noch viel mehr wummst als die Geschichte als solche sind eben echt die grandiosen Gedankengänge des Ungeborenen. Ein Weinkenner mit professoralen Siff-Eltern, das skizziert die Familie, die im Buch zentral ist, wohl ziemlich treffend. „Nutshell“ bleibt als Titel ein wenig mehrdeutig, ohne beliebig zu sein. Ja, das Buch mag male-centered sein, ohne wenig diverse, das macht ein Buch aber nicht per se unlesbar. Mein Fazit: lohnt sich mehr als die allermeisten „Tatorte“ (aber das trifft genauso gut auf einen eingewachsenen Zehennagel zu).

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